Film über die Klitschkos : Geschwisterhiebe

Ein Kinofilm erzählt die Geschichte der Klitschkos. Gestern stellten Vitali und Wladimir erste Szenen vor. Und verrieten, wann sie das letzte Mal richtig Zoff hatten.

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Guten Schlag. Wladimir (35, links) und Vitali (39) bei der Filmvorstellung in der Astor-Lounge am Kurfürstendamm. 
Guten Schlag. Wladimir (35, links) und Vitali (39) bei der Filmvorstellung in der Astor-Lounge am Kurfürstendamm. Foto: dpa

Die Frau von der PR-Agentur kann einem leid tun. Die Klitschkos müssten jetzt dringend los, nebenan im Concorde-Hotel wartet Mittagessen, der ganze Zeitplan gerät durcheinander. Aber Vitali und Wladimir kommen keinen Meter voran, bleiben höflichst vor jedem Mikrofon stehen, lehnen keine noch so abwegige Reporterfrage ab. Ob Vitali zu Prinz Williams’ Hochzeit reise, will einer wissen. Leider nicht, sagt der Boxer. Aber er wünsche dem Paar trotzdem Glück und große Liebe. Und außerdem viele Kinder! Man könnte meinen, die Klitschkos verdienten ihr Geld mit Etiketteseminaren statt mit Köpfeeinschlagen.

88 Profiboxer haben Vitali und Wladimir bis heute k.o. gehauen. Vier der fünf relevanten Schwergewichts-Weltmeistertitel sind in ihrem Besitz. Angeblich kennen 99 Prozent der Deutschen die zwei Ukrainer, und trotzdem weiß man so vieles über sie nicht. Etwa: Streiten die sich auch manchmal untereinander? Und wie findet eigentlich Mutter Klitschko, was ihre Söhne da treiben? Regisseur Sebastian Dehnhardt hat nun einen Dokumentarfilm gedreht, und obwohl „Klitschko“ erst Mitte Juni ins Kino kommt, haben die Brüder am Donnerstag schon mal in die Astor-Filmlounge am Kurfürstendamm geladen, um erste Szenen zu zeigen. Von Vitalis großem Kampf gegen Lennox Lewis, von Wladimirs anstrengenden Vorbereitungen im Trainingscamp.

Manche Leute schätzten sie völlig falsch ein, sagt Vitali, der ältere, anschließend im Drehstuhl vor der Kinoleinwand. „Wir haben durchaus Mitleid mit unseren Gegnern.“ Wladimir spielt mit seinem Handmikro, lächelt noch öfter als sein Bruder. Im Gang stehen gut gekleidete Bodyguards. Wie absurd. Als ob die Klitschkos Bodyguards bräuchten.

Man erfährt Erstaunliches in diesem Film. Zum Beispiel, wie Wladimir seine Siegchancen optimiert: Er schmiert sich nicht mehr mit Vaseline, sondern Kokosbutter ein, weil die besser einzieht. Er trägt weiße statt schwarze Schuhe, weil hell irgendwie für Energie stehe und dunkel für träge, behauptet sein Trainer. Und er hat sich Leder aus seinem Unterleibsschutz rausgeschnitten, um im Ring flinker zu werden. Die Doku zeigt auch, wie sich die Brüder vor sechs Jahren einmal heftig stritten, weil der ältere fand, der jüngere werde zu oft vom Trainer gelobt. Dann schrien sie sich an, und schließlich sagte Wladimir: „Sei mir nicht böse, Vitali, aber ich will dich nicht mehr in meinem Trainingslager haben.“ Sprechen die Brüder heute über diese Krise, beteuern sie, dass ihre Beziehung intakt geblieben ist. Und dass man in der Familie Probleme eben mit Worten löse, nicht mit Fäusten. Dann grinsen sie verschmitzt wie in einem ihrer Milchschnitte-Spots.

Ob der Film ankommen wird? „Es fällt mir schwer, objektiv zu sein“, sagt Wladimir. Er bleibe lieber kritisch, wenn es um ihn selbst gehe. Genau das ist wohl ein Grund für die Beliebtheit der Brüder: Sie werden nie überheblich, mögen keine lauten Töne, beleidigen auch keine Rivalen. Als Vitali im Astor gefragt wird, ob er seinem letzten Gegner Odlanier Solis eine Revanche gewähre, wünscht er bloß „gute Besserung“ – Solis musste nach der Begegnung ins Krankenhaus.

Eine Szene des Films wird ganz sicher nicht gut ankommen: die Nahaufnahme der Wunde über Vitalis linkem Auge beim Kampf gegen Lewis 2003. In einer Rundenpause schiebt der Betreuer einen ganzen Wattestab in das klaffende Loch, auf der Leinwand wirkt es so riesig, dass einige im Publikum wegschauen.

Ach ja, die Mutter. Die gibt im Film zum ersten Mal ein ausführliches Interview. Wenn einer ihrer Söhne kämpft, schaut sie nicht zu. Sondern geht alleine spazieren, so lange, bis endlich jemand auf dem Handy anruft und sagt, dass keiner verletzt wurde. Jedenfalls keiner, der Klitschko heißt.

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