Fluch der Karibik im "Event Cinema" : Im Sony-Center eröffnet das neue Luxuskino

Knopfdruck statt Säbelhieb: Im Sony-Center am Potsdamer Platz eröffnet Til Schweiger das neue Luxuskino „Event Cinema“ mit der größten Kinoleinwand Berlins.

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Gleich geht’s los. Mit einem Knopfdruck startete Til Schweiger das neue „Event Cinema Berlin“.
Gleich geht’s los. Mit einem Knopfdruck startete Til Schweiger das neue „Event Cinema Berlin“.Foto: dpa

Was hätte man aus der Szene nicht alles machen können! Ein blutrotes Band, das die Massen vom Ort des Vergnügens noch aussperrt. Oder auch ein tiefschwarzes, bedruckt mit Totenschädeln und gekreuzten Knochen. Til Schweiger hätte dann nicht zur Schere gegriffen, schließlich sollte nicht „Das tapfere Schneiderlein“ gezeigt werden, sondern „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“. Nein, ein Säbel oder Schwert hätte es schon sein können, irgendein Hieb- und Stichgerät, damit kann er seit seiner Komödie „11/2 Ritter“ prima umgehen. Doch was war für ihn statt dessen zur Eröffnung des neuen Super-Kinos „Event Cinema Berlin“ vorgesehen? Er drückte einen roten Knopf.

Völlig ohne piratentypische Waffen ging am Mittwochabend der Start des Filmtheaters im Sony-Center über die Bühne, mit Johnny Depps neuem, sogar dreidimensionalem Seeräuber-Spaß als Demonstrationsobjekt, an dem die Möglichkeiten des Hauses durchgespielt und erlebt wurden. Das war zunächst eine Frage der Fläche: Über 300 Quadratmeter misst die Leinwand des im ehemaligen Imax-Saal untergekommenen Event Cinema, es ist die größte in Berlin. Mit einem Jumbo wurde sie aus den USA hergeflogen und vergangene Woche, freilich zusammengerollt, durch eine eigens geöffnete Gebäudewand in den Saal gewuchtet, im Auftrag des neuen Betreibers Cinestar, der schon den Kinokomplex im Gebäudekeller sein Eigen nennt.

Ohne Augenklappe und 3-D-Brille. Zum vierten Mal bereits schlüpfte Johnny Depp, hier mit Penélope Cruz, in die Freibeuterkluft. Mit „Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten“ startete am Mittwoch das „Event Cinema Berlin“ sein Programm.
Ohne Augenklappe und 3-D-Brille. Zum vierten Mal bereits schlüpfte Johnny Depp, hier mit Penélope Cruz, in die Freibeuterkluft....Foto: promo

Vor dem unterhaltsamen Teil mit Til Schweiger vor und Johnny Depp auf der Leinwand gab es für die Presse einen Rundgang mit den Cinestar-Geschäftsführern Oliver Fock und Stephan Lehmann durch die technisch im XXL-Format aufgerüsteten Kinogefilde. Dort war dann später nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören, wo die 1,2 Millionen Euro Investitionskosten geblieben sind, wurde doch beispielsweise eine Batterie von 23 Lautsprechern unterschiedlichen Kalibers aufgestellt, darunter drei der größten Kinolautsprecher der Welt, um von allen Seiten auf die Zuschauer einzudröhnen, mit maximal 80 000 Watt. Seit dem Sensurround-Gewummer 1974 in „Erdbeben“, bei dem mancher Zuschauer wirklich gedacht haben soll, die Erde wackele, ist das Publikum ja einiges gewohnt und will, so glaubt man in der Branche, davon immer mehr. Und der digitale Projektor ist so neu, dass es ihn auf dem Markt eigentlich noch gar nicht gibt, der weltweit hellste seiner Art, ohne noch im geringsten verpixelte Bilder, wie es hieß, dabei von vergleichsweise bescheidener Größe, doch mit 120 000 Euro stattlichem Preis. Der eine Euro, den die Zuschauer künftig für die dann mehrfach zu nutzende 3-D-Brille zu zahlen haben, und die zwei Euro Aufpreis gegenüber dem Kino im Keller wirken dagegen mikroskopisch.

Trotz hypermoderner Technik hat dann beim Starten des Films alles geklappt, wenngleich sie ihre Stärken, so der erste Eindruck, wohl besser bei den roten Uniformen der englischen Soldaten als bei der braunen Kluft des einfachen Volkes ausspielen kann. Ab diesem Donnerstag kann das jeder Filmfreund für sich entscheiden. Am Mittwoch durften sich nur geladene Gäste in die 350 extrabreiten, wie in einem Amphitheater angeordneten Kinosessel lümmeln, auf Abstand gehalten durch einen auf 125 Zentimeter verbreiterten Reihenabstand und Doppelarmlehnen, die für Liebespaare aber unpraktisch sind. Unter anderem sah man Regisseur Marco Kreuzpaintner, den Kabarettisten Hans Werner Olm und den Schauspieler David Kross. Für sie alle lagen diese neumodischen Sehhilfen gratis bereit, schon um derentwillen man dankbar sein kann, dass der klassische Pirat nur noch auf der Leinwand sein Unwesen treibt. Häufig mit Augenklappe ausgestattet, käme er mit einer 3-D-Brille garantiert nicht zurecht.

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