Stadtleben : Franzosen-Euphorie

Freitag öffnet die Impressionisten-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie – viele Karten sind schon weg

Christoph Stollowsky

„Die Bürger von Calais“ sind schon da. In der vergangenen Woche wurde Auguste Rodins wegweisende Bronzeskulptur des Impressionismus am Kulturforum aus einem Container gehoben und im Foyer der Neuen Nationalgalerie aufgestellt. Fünf zerlumpte Gestalten, Verzweiflung in den Gesichtern, mit verkrampften, übergroßen Händen. Um sie herum werkelten am Pfingsmontag Showtechniker, installierten Scheinwerfer und Boxen für die Eröffnungsveranstaltungen zur neuen Sonderausstellung mit 150 französischen Meisterwerken des 19. Jahrhunderts aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art. Im Untergeschoss wurden unterdessen die letzten Exponate der kostbaren Leihgabe aufgehängt – denn am Freitag beginnt der Besucheransturm.

Endspurt zur neuen Superschau des Vereins der Freunde der Neuen Nationalgalerie mit dem zugkräftigen Titel: „Die schönsten Franzosen kommen aus New York.“ Und schon jetzt zeichnet sich für die Öffnungszeit vom 1. Juni bis 7. Oktober ein ähnlich gewaltiger Andrang ab wie zur berühmt gewordenen Ausstellung mit Werken aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) 2004. Damals begann die Euphorie, die 1,1 Millionen Besucher ergriff und Schlangestehen vor der Neuen Nationalgalerie zum kultigen Hobby machte, aber erst nach Ausstellungsbeginn. Diesmal drängeln die Interessenten schon im Vorverkauf.

Der begann im Herbst 2006. Rund 3000 einstündige Führungen für Gruppen bis zu 23 Personen waren beispielsweise im Angebot – sie sind inzwischen komplett ausverkauft. Mehr Führungen seien in der Ausstellungszeit nicht zu verkraften, sagen die Veranstalter. Sehr begehrt sind auch die sogenannten VIP-Tickets für 30 Euro inklusive Audioguide. Durch einen Extraeingang geht es damit zu einem festen Termin in die Schau. Rund 11 500 von 15 000 verfügbaren VIP-Karten sind schon vergeben. Das Kontingent wird allerdings am 1. Juni noch einmal aufgestockt.

Doch auch für die Käufer einer normalen Eintrittskarte gibt es diesmal ein verbessertes Ticketsystem. Nummerierte Karten sollen das Schlangestehen verkürzen (siehe Kasten). Die Kassenhäuschen vor der Neuen Nationalgalerie sind schon aufgebaut und mit den blau-weiß-roten Farben der Tricolore geschmückt. Am Freitag ab neun Uhr werden die ersten Tickets für einen außergewöhnlichen Kunstgenuss verkauft. Denn das Metropolitan Museum of Art besitzt neben dem Musée d’Orsay in Paris die bedeutendste Sammlung französischer Kunst des 19. Jahrhunderts. Da es in diesem Sommer restauriert wird, hat es die überwiegend impressionistischen Schätze leihweise nach Berlin geschickt, darunter Gemälde von Paul Cézanne, Claude Monet und Paul Gauguin sowie Rodin-Skulpturen. Die „Bürger von Calais“ sind jedoch kein Unikat. Schon Rodin ließ zu Lebzeiten vier Abgüsse von der Urform herstellen. Die Figurengruppe aus dem Metropolitan wurde 1985 gegossen und ist die elfte von weltweit zwölf Ausführungen.Christoph Stollowsky

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