Freizeit : Berlin macht Theater

Das letzte Ferienwochenende, Sonne satt – und die Stadt spielt mit. Überall gibt es Programm: zwei Tage und eine Nacht lang.

Stefan Jacobs

Gemischte Doppel.

Die jüngsten Zwillinge sind im Doppelkinderwagen angereist, die ältesten haben sich gegenseitig stützend untergehakt. So spazieren sie am Sonnabend bei Bilderbuchwetter als Gruppe durch den Zoo, der sie zu einer ganz besonderen Führung eingeladen hatte. Zum sechsten Mal haben die Tempelhofer Zwillinge Andreas und Christian Bergel ein Treffen für ihresgleichen arrangiert – und an die 50 Paare kamen. Auf der Führung erfuhren sie Dinge wie: „Bei Elefantenbullen ist es, wie es bei Männern halt ist: Nach der Pubertät sind sie nicht mehr so nett wie vorher.“ Deshalb gelten für die Elefantenpfleger spezielle Vorkehrungen, die den Zwillingen exklusiv gezeigt wurden. Nur die Kleinsten mussten draußen bleiben, weil ihr Doppelwagen zu breit war für den Tierpflegereingang des Elefantenhauses. Doch draußen war’s ja bei erträglichem Andrang auch schön, wo Pelikane schnäbelten und Knut sporadisch nachschaute, ob das Sommerwetter endlich vorbei ist. Ist es bald – aber noch nicht heute, so dass sich auch am Sonntag ein Besuch der vielen, überwiegend kostenfreien Freiluftveranstaltungen überall in der Stadt lohnt.

Straßentheater. Wer nicht noch von der Langen Nacht der Museen geschafft ist, die zum Wetter passend unter dem Motto „Schlösser, Parks und Gärten“ steht, kann beispielsweise am Breitscheidplatz vorbeischauen: Beim Straßentheaterfest gibt’s von 11 bis 20 Uhr Musik, Akrobatik, Jonglage, zum Abschluss eine Feuershow – und natürlich Buden mit Currywurst, Crêpes und Ethnoschmuck.

Die Preußen kommen. Während um die Gedächtniskirche die Schausteller tapfer gegen die Atmosphäre des Ortes ankämpfen, stimmt bei der Historiale im Nikolaiviertel die Kulisse. Bei dem Geschichtsfestival flanieren barock gewandete und gebleichte Damen übers Buckelpflaster, auf der Bühne vor der Nikolaikirche erzählt der junge Kronprinz Friedrich von seiner Küstriner Festungshaft, und zwischen den Besuchern sitzen zahlreiche Alte Fritzen an den Kneipentischen. Als ein preußisches Heer mit Gewehren durch die Gassen drängt, teilt sich verschreckt die Menge, aber so schnell schießen die Preußen ja bekanntlich nicht. Zumal es sich, wie ein aufgeschnappter Gesprächsfetzen zwischen zwei historisch Uniformierten („Es geht schnellor, als mor dengt!“) zeigt, dass es sich im Einzelfall auch um Sachsen handeln kann. Wer’s nachprüfen will: heute noch von 10 bis 18 Uhr.

Schiff ahoi. Ein paar Schritte weiter, an der Fischerinsel, kündet Räucherfischduft vom Fest im Historischen Hafen. Auf der Spree duellieren sich die Schlepper „Aurora“ und „Merkur“ beim Tauziehen, wobei die 1920 in Köpenick gebaute „Aurora“, die einst Bauholz aus Mecklenburg nach Berlin schipperte, gewinnt. Dann legt Schleppdampfer „Andreas“ zur einstündigen Rundfahrt für fünf Euro ab und lärmt dazu ordentlich mit seiner 275-PS- Dampfmaschine.

Große Oper. Wohlklang dagegen am Bebelplatz, wo am Abend die neue Spielzeit der Staatsoper mit der Live-Übertragung von „Fidelio“ beginnen sollte, während die Abendsonne auf die Wattewölkchen am Himmel über dem Großbildschirm schien. Hier dürfte es heute richtig voll werden, wenn Daniel Barenboim Beethovens Neunte dirigiert – ab 16 Uhr, bei freiem Eintritt und sonnigen 25 Grad. Stefan Jacobs

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