Friedrichshain : Berlin-Designladen zieht um

Der Laden Berlinomat verkauft ausschließlich Objekte und Accessoires von Berliner Designern. Doch wegen der wenigen Touristen und der fehlenden Laufkundschaft in der Frankfurter Allee zieht das Geschäft nun um - am liebsten nach Mitte.

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Jute Nacht Friedrichshain. Jörg Wichmann plant den Umzug seines Friedrichshainer Ladens Berlinomat, in dem er Design aus Berlin verkauft.
Jute Nacht Friedrichshain. Jörg Wichmann plant den Umzug seines Friedrichshainer Ladens Berlinomat, in dem er Design aus Berlin...Foto: Paul Zinken

Die Socken mit dem Rautenmuster laufen gut, auf dem Ständer neben der Kasse hängen nur noch wenige Paare. Die seien besonders bei Parkettbesitzern beliebt, erklärt Jörg Wichmann: Einfach über die Stuhlbeine ziehen und schon gibt es auf dem Boden keine unschönen Kratzer. Vom individuellen Look, den diese „Personality Socks“ von Chris & Ruby jedem Stuhl verleihen, ganz abgesehen. „So Berlin“, denken die Touristen, wenn sie die Socken in den Händen halten. Und die Einheimischen grinsen: Diese Stadt, die an kreativen Ideen nicht arm ist, bringt immer wieder Erstaunliches hervor. Das zu beweisen ist der Anspruch von „Berlinomat“.

Mehr als 400 Artikel ausschließlich von Berliner Designern verkaufen Jörg Wichmann und seine Ehefrau Theresa in ihrem 500 Quadratmeter großen Laden an der Frankfurter Allee in Friedrichshain. Seit sieben Jahren schon. Gerade in der Weihnachtszeit und zwischen den Jahren läuft das Geschäft gut. Die Küchenutensilien von Sawadee, die ausschließlich aus dem Holz von Berliner Bäumen hergestellt werden, sind ebenso gefragt wie die Frühstücksbrettchen von Lololand mit der Aufschrift „Berlin macht wild“. Trotzdem wird der Laden bald dicht machen: „Wir schließen“, steht auf den orangefarbenen Aufklebern in den Fenstern. Für den „Supersale“ räumen die Designer ihre alten Lagerbestände aus und bieten ihre Ware zu Schnäppchenpreisen an. Ende Januar schließt Berlinomat dann seine Türen. Vorläufig, sagt Ladenbesitzer Jörg Wichmann. „Wir sind auf der Suche nach neuen Räumen.“

Vier Objekte hat sich der 40-Jährige in den vergangenen Wochen bereits angeschaut, das passende war noch nicht dabei. Neulich hat Wichmann einen leer stehenden Laden in der Nähe vom Hackeschen Markt besichtigt, die Beschreibung klang vielversprechend. Doch die Räume erwiesen sich als ungeeignet, weil sich der größere Teil der auf zwei Etagen verteilten Verkaufsfläche im Souterrain befand. Die Kriterien sind klar definiert: Der neue Standort sollte eine Verkaufsfläche von mindestens 300 Quadratmetern haben und sich in einer touristisch erschlossenen Gegend befinden. Letzteres war für Berlinomat zum Schluss ein Problem – dem Laden in Friedrichshain fehlte das Laufpublikum. „Nur die Härtesten sind hier rausgefahren“, sagt Jörg Wichmann. Und von denen, die keinen Sinn haben für die charmant abseitigen Designideen, denen Berlinomat eine Plattform bietet, gab es nur irritierte Blicke. „Von denen wurden wir angeguckt wie ein Ufo.“

Noch vor sieben Jahren glaubte der gebürtige Ost-Berliner an das Entwicklungspotenzial der Gegend, daran, dass sich in absehbarer Zeit Gleichgesinnte niederlassen und den Standort beleben würden. Tatsächlich sah es anfangs auch so aus. Der F95-Store der Modemesse „Premium“ bezog nur wenige Meter weiter ein Geschäft. Doch das reichte nicht. Nachdem auch die kleine Förderung des Bezirks ausgelaufen war, wurde es für Wichmann und sein Team zunehmend schwerer, sich in der Gegend zu behaupten. Vor der Tür brettert der Verkehr über die vierspurige Frankfurter Allee, nebenan befinden sich Discounter, Drogeriemärkte und ein Shoppingcenter. Höherwertiger Einzelhandel ist hier kaum anzutreffen. „Dafür hätte die Aufenthaltsqualität auf der Straße verbessert werden müssen“, sagt Wichmann. Dass sich die Gegend entwickeln wird, daran glaubt er nach wie vor. „Nur fehlt uns der Atem, darauf vielleicht noch zehn Jahre zu warten.“ Maximal ein halbes Jahr, so hofft Wichmann, soll die Suche nach dem neuen Standort dauern. „Die Makler sind sehr rührig, seit sie gehört haben, dass wir neue Räume brauchen.“ Mitte wäre ideal, der Kurfürstendamm aber auch denkbar. Wichmann ist da offen.

Und bis zur Eröffnung des neuen Ladens geht der Verkauf der Designsouvenirs auf der Internetseite von Berlinomat weiter. Oder am Automaten, den Wichmann vergangenes Frühjahr in der ersten Etage des Hauptbahnhofs aufgestellt hat. Auch wieder so eine typische Berlin-Idee.

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