Großbrand : Das Feuer wütete 18 Stunden lang

An der östlichen Stadtgrenze Berlins brannte seit Samstagabend ein Altreifenlager. Die Rauchwolke war kilometerweit zu sehen. Nach Angaben der Behörden bestand allerdings keine Gefahr für die Bevölkerung.

Jörn Hasselmann
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Tiefschwarze Qualmwolken verdunkeln die Umgebung der Altreifendeponie im Osten Berlins. -Foto: Olaf Wagner

AltlandsbergRund 18 Stunden benötigte die Feuerwehr, um den Brand in einem Reifenlager in Altlandsberg, gleich hinter der östlichen Berliner Stadtgrenze, zu löschen. Die riesige schwarze Qualmwolke war am Samstagabend selbst noch im Westen der Stadt zu sehen. Sonntagmittag rückten die letzten der 150 eingesetzten Feuerwehrleute ab. Zuletzt hatten sie Glutnester mit Erde abgedeckt, um sie vollständig zu löschen.

Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Das Feuer war am Samstagabend auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände an der Neuenhagener Chaussee ausgebrochen. Ein Zeuge hatte nach Polizeiangaben kurz zuvor drei verdächtige Jugendliche beobachtet; nach ihnen wird jetzt gesucht. Ob sie das Feuer fahrlässig verursacht oder vorsätzlich gelegt haben, ist unklar.

Keine Gesundheitsgefahr für Bevölkerung

Laut Feuerwehr ist die Deponie seit einiger Zeit stillgelegt. Deswegen sei bislang offen, was genau, abgesehen von den Reifen, noch in Flammen aufging. Die Feuerwehr war mit einem Messwagen am Brandort, um mögliche giftige Gase in der Luft aufzuspüren. Das extrem empfindliche und spezialisierte Laborfahrzeug des Berliner Landeskriminalamtes, der sogenannte Spürfuchs, kam nicht zum Einsatz. Denn der Wind trieb die Wolke Richtung Osten, so dass weder Berlin noch andere Ortschaften betroffen waren. Der starke Rauch habe allerdings die Löscharbeiten behindert, sagte ein Feuerwehrsprecher. Noch im Umkreis von etwa zehn Kilometern vom Brandort soll es zeitweise so dunkel wie bei einer teilweisen Sonnenfinsternis gewesen sein, berichtete ein Zeuge. Messungen zufolge habe jedoch keine Gesundheitsgefahr bestanden, hieß es. Anwohner wurden trotzdem gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Auch bei den vielen vorangegangenen Bränden auf Deponien oder in Reifenlagern hatten die Behörden eine Gesundheitsgefährdung für Anwohner ausgeschlossen. Selbst bei dem viertägigen Großfeuer auf einer Plastikmülldeponie in Bernau im Jahr 2005 hatten die Analysen keine Überschreitungen der Grenzwerte ergeben.

Wieviele "vergessene" Deponien gibt es in Brandenburg noch?

Im selben Jahr war im Köpenicker Ortsteil Schmöckwitz ein großes Altreifenlager in Brand geraten. Rund 1000 Feuerwehrleute und Helfer waren mehrere Tage im Einsatz, um den größten Brand der Berliner Nachkriegsgeschichte zu bekämpfen. Zuletzt hatte es im Mai 2008 in dem Lager gebrannt, in dem Reifen von einer Firma runderneuert werden.

Unklar ist, wie viele "vergessene" Deponien und Reifenlager es in Brandenburg gibt. In vielen Orten hatten Firmen Grundstücke gepachtet und Reifen für viel Geld zum angeblichen Recycling angenommen. Als die Behörden auf die überquellenden Berge aufmerksam wurden, hatten sich die Betreiber oft bereits abgesetzt. Wie berichtet, hat sich die Stadt Eberswalde gerade auf Druck der Anwohner entschlossen, ein Grundstück zu kaufen, um eine Reifendeponie entsorgen zu können. Die Anwohner befürchten, dass auch hier ein Feuer ausbrechen könnte.

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