GRÜNE WOCHE Kurz vor Schluss : Arnies Apfel

Heute kann man letztmals Landluft schnuppern Die Veranstalter ziehen schon mal Bilanz

Matthias Jekosch

Australische Kroko-Känguru-Spieße oder brandenburgisches Sanddorneis – das sind nur zwei der Spezialitäten, die es auf der 73. Grünen Woche zu probieren gibt. Aber anscheinend sind vor allem vertraute Produkte wie Schokolade und Käse gefragt. Denn die Schweiz als offizielles Partnerland kann sich über ein enormes Interesse freuen. „Unsere Gaststätte ist über 30 Prozent besser gefüllt als im Vorjahr“, bilanziert Urs Bühlmann, der für die Messepräsentation zuständig ist. Auf das „Grüezi Berlin“ reagierten die Messebesucher dermaßen kauffreudig, dass schon am Mittwoch fast das gesamte Schweizer Sortiment nachbestellt werden musste.

Auch die Messeveranstalter geben sich mit der Gesamtbilanz zufrieden. Die nach eigenen Angaben größte Verbrauchermesse der Welt hatte mit 1610 Ausstellern auch in diesem Jahr viel zu bieten. Wenn die Grüne Woche heute Abend schließt, werden etwa 420 000 Besucher um die 44 Millionen Euro ausgegeben haben, heißt es. Das sind vier Millionen mehr als noch 2007.

Der Erfolg stellte sich allerdings nicht bei allen ein. „Sehen Sie, die Gänge sind voll, aber die Leute kaufen nichts“, klagt Walter Weis, Verkaufsleiter bei der Großmetzgerei Gruninger. „Ein Rollschinken sechs Euro, zwei kosten nur zehn“, rufen die Verkäufer hinter der Theke unentwegt. Der Strom von Menschen schiebt sich unbeeindruckt weiter durch die Gänge. Rollschinken und Landjäger bleiben unangetastet. „Nur wenn ich etwas umsonst rausgebe, ist es sofort weg“, berichtet Weis.

Bei der Grünen Woche geht es nicht nur ums Verkaufen. Die Veranstalter betonen die fachliche Bedeutung der Messe. An den zehn Messetagen gab es 300 Fachkonferenzen. 110 000 Fachbesucher (2007 waren es 100 000) kamen zum Messegelände unter dem Funkturm. Horst Seehofer, Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, sieht die Grüne Woche sogar als Stimmungsbarometer: „Der deutschen Landwirtschaft geht es gut, mit ihrer Dynamik ist sie wieder eine echte Zukunftsbranche.“ Zu den Gewinnern zählt unter anderem der Ökolandbau, der – so sieht es Alexander Gerber vom Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft – vom Trend nach hochwertigen Produkten profitiert. Die Ökolandwirte hatten doppelt so viel Ausstellungsfläche wie 2007. „Ein voller Erfolg“, bilanziert Gerber. Und sogar „Gouvernator“ Arnold Schwarzenegger glänzte – in Form eines nach ihm benannten Apfels der Sorte Jonagored aus seiner Heimatregion, der Steiermark. Matthias Jekosch

Heute ist der letzte Tag der Grünen Woche. Geöffnet von 10 bis 19 Uhr, Eintritt 10 Euro; ermäßigt und ab 15 Uhr 6 Euro

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