Hasenheide : Ein Festival zu Mandelas 90. Geburtstag

Von Freitag bis Sonntag wird im Freiluftkino Hasenheide Mandelas 90. gefeiert. Auch ein alter Weggefährte kommt: Denis Goldberg, der einzige Weiße, der zusammen mit Mandela festgenommen wurde.

Daniela Martens

Der Blick ist fast zärtlich. Denis Goldberg hat den Kopf zur Seite gedreht, um die Dias anzusehen, die an die Wand projiziert werden: Nelson Mandela mit grauen Haaren und mit weißen, im schwarzen Anzug und im bunten Hemd, und an seinem Schreibtisch. Auf den meisten Bildern lächelt er. „Sehen Sie ihn sich an“, sagt Goldberg. „Die Ikone Mandela mag 90 Jahre alt sein, aber er ist trotzdem ein junger Mann geblieben – in seinem Geist.“

Denis Goldberg ist als besonderer Gast aus Südafrika nach Berlin gekommen: Er feiert hier den 90. Geburtstag eines Mannes, der ihm sehr wichtig ist – beim Nelson-Mandela-Festival, das von Freitag bis Sonntag im Freiluftkino in der Hasenheide stattfindet. Dort wird Goldberg am Sonnabend um 15 Uhr erzählen, wie er 1964 gemeinsam mit Mandela und 13 weiteren Widerstandskämpfern gegen das Apartheidsregime zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Goldberg war der einzige Weiße. Er saß mehr als zwei Jahrzehnte im Gefängnis. 1985 wurde er als Erster entlassen, Mandela fünf Jahre später.

Am Donnerstag gab Goldberg schon einen kleinen Vorgeschmack auf seinen Vortrag – in den Räumen der Werkstatt der Kulturen in Neukölln: „Solange ich die Stärke und die Gesundheit habe, will ich herumreisen, gegen das weltweite Phänomen des Rassismus kämpfen und die Menschen davon überzeugen, wie wichtig Gleichberechtigung für alle ist“, sagt der 75-Jährige. Das passt zum Festival: „Wir feiern nicht nur Mandelas Geburtstag, sondern auch seine Errungenschaften“, sagt Organisatorin Philippa Ebéné. Sie ist die Leiterin der Werkstatt der Kulturen, die das Fest veranstaltet.

Meistens erfüllt Goldberg seine Mission, indem er mit Schulkindern spricht – egal ob in Pretoria oder Osnabrück. Da hilft es ihm, dass er mit einer Deutschen verheiratet war, die ihm ihre Muttersprache beibrachte. Er wechselt im Gespräch ständig zwischen Deutsch und Englisch hin und her. „Heute finde ich es aber schlimm, dass ich keine afrikanischen Sprachen gelernt habe. So bin ich von vielen meiner Landsleute abgeschnitten.“

Und dann kommt er zu einem Thema, dass ihn sehr aufregt: „In den ausländischen Medien ist in letzter Zeit ein völlig falscher Eindruck von einem gewalttätigen Südafrika entstanden.“ Über die Südafrikaner, die ihren Nachbarn aus anderen Ländern helfen, höre man dagegen nichts. „Und dann will man uns Südafrikanern auch noch die Fußball-Weltmeisterschaft wegnehmen.“ Er hat eben noch immer das Ziel vor Augen, für das er gemeinsam mit Mandela kämpfte: „Wir wollen über unsere eigene Zukunft entscheiden.“

Der Eintritt zum Festival ist frei. Weiteres unter: www.werkstatt-der-kulturen.de

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