Heiligabend : Schräge Nacht

Kostümfilm statt „Oh Tannenbaum“, "Heilige Preview Nacht" im Kino oder gleich ein Beitritt zum "Christmas Resistance Movement": Wie Berliner Weihnachtshasser den 24. Dezember überstehen.

G,a Bartels
Resistance
Weihnachten boykottieren! -Screenshot: xmasresistance.org

Um es mal klar zu sagen: Weihnachten verschmähen liegt nicht gerade im Trend. Zahllose Berliner sind zwar vom Weihnachtstrubel genervt, trotzdem weigern sich nur drei Prozent, Heiligabend unterm Tannenbaum zu sitzen. Und wer versucht, diese keinesfalls gesicherte Zahl zu verifizieren, stellt schnell fest, dass selbst erklärte Heiden feiern. Da wundert es nicht, dass inzwischen sogar Muslime in Dubai verstärkten Christbaumbedarf haben.

Wenn er beim Festschmaus in die Runde sehe, fielen ihm die besten Morde ein, merkte Alfred Hitchcock einst zum Fest der Liebe an. Und so bieten die wenigen Kinos, die Heiligabend geöffnet haben, traditionell wackeren Weihnachtsverweigerern Schutz und Zuflucht. Cosima, Sputnik Südstern, FSK, Tilsiter Lichtspiele oder Cineplex Spandau bieten Programm. Im Filmtheater am Friedrichshain läuft ab 18 Uhr die Heilige Preview Nacht mit Überraschungsfilmen in allen fünf Sälen (Tel. 42 84 51 88). Und im Kino International können sich alle, die keine Lust auf Tannenbaum haben, stattdessen im Glanz von Cate Blanchett sonnen. Um 18.30 Uhr beginnt die Doppelvorstellung von „Elizabeth“ samt der frisch angelaufenen Fortsetzung. Für 20 Euro inklusive Prosecco und Häppchen eine richtig günstige Alternative (Tel. 24 75 60 11) zum Wunschzettelterror.

Dem hat übrigens das im Internet ansässige „Christmas Resistance Movement“ massiv den Kampf angesagt (www.xmasresistance.org). Inklusive wetterfesten Stickern und T-Shirts, die sich notorische Weihnachtsverweigerer am besten jetzt schon für die kommende Saison bestellen. Und wer schon beim ordern ist, kann sich auch gleich noch das Standardwerk des Hamburger Satirikers Dietmar Bittrich besorgen. „Das Weihnachtshasser-Buch“ liefert nützliche Überlebenstipps zum Fest, kostet 7,90 Euro und ist als rororo-Taschenbuch erschienen.

Die unchristliche Hintergrundmusik zum Anti-Weihnachtsabend im trauten Verweigererkreise lässt sich mit oder ohne Spende im Netz runterladen. Hinter der Seite www.weihnachtshasser.org steckt der nette Kindermusicalkomponist Bane Vejnovic, 42, aus Spandau. Ob er Weihnachten hasst? „Nö, man kann ja nicht Weihnachten hassend durchs Leben laufen“, sagt er weise. Ob er Weihnachten feiert? „Ja, aber nicht wie Weihnachten.“ Damit ist der Mann, der aus den kabarettistisch verballhornten Weihnachtsliedern eines Tages ein „bitterböses Musical“ machen will, nicht allein. Ein alternatives Musikangebot gibt es um 22 Uhr auch bei Monster Ronson’s Ichiban Karaoke – Heiligabend singen, nur eben keine Weihnachtslieder. Einsamkeitsfanatiker können sich in der Warschauer Straße 34 in Friedrichshain auch eine schallisolierte Kabine zum Schmettern mieten. Festflucht und Bassbescherung ist danach um 23.59 Uhr im Pulp Mansion (Saarbrücker Straße 36, Prenzlauer Berg) angesagt.

Bleibt noch der Tipp für Freunde schräger Unterschichts-Weihnachtsfeiern: „Wenn Ediths Glocken läuten“ im Kreuzberger BKA-Theater (23. und 26. Dezember, 20 Uhr). Hier feiert Neuköllns bekannteste Hartz-IV-Empfängerin Edith Schröder alias Krawalltranse Ades Zabel mit zwei weiteren Feierelsen und einem erotischen Klempner. Ein Abend für Weihnachtshasser? Nein, meint Zabel, sondern für die, die auch immer falsche Geschenke und einen mickrigen Baum erwischt haben.

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