Stadtleben : Heimweh in Hamburg

Wolf Biermann will zurück nach Berlin ziehen – zu seiner „alten Liebe“, in seinen „alten Kiez“

Er dichte immer besser und schwächer, sagt Wolf Biermann, beides aus gleichem Grund: Er wird älter. Eines seiner neuen Lieder heißt „Bildnis eines alten Dichters“. Es ist „auf Vorrat“ komponiert, denn so steif und zittrig wie der Beschriebene sei er nun doch noch nicht, sagt er und zupft die ersten Töne auf seiner Gitarre. 16 Lieder sind auf der neuen Biermann-CD vereinigt, drei Titel variieren das gleiche Thema: „Heimat“, „Heimkehr“ und „Heimweh“. Damit wäre der Sehnsucht nach Rückkehr genüge getan, doch Biermann, ergraut, aber immer noch in schwarzer Lederjacke, setzt noch eins drauf: „Heimkehr nach Berlin Mitte“ heißt das Gesamtwerk. Erst dementiert er humorvoll, dann räumt er ein, ja, er wolle nach Berlin zurück, zu seiner „alten Liebe“, suche „vielleicht“ eine Bleibe „im alten Kiez“, also in Mitte, „Linienstraße, Kleine Hamburger Straße, Alexanderplatz“. Nach Lichtenberg würde er „auf keinen Fall“ ziehen, „weil meine Tochter jetzt mit einem Schwarzen zusammen ist“, nach Marzahn nicht, „da ist die PDS“, nach Prenzlauer Berg auch nicht so gerne, ohne konkreten Grund.

Das Heimweh hat auch mit alten Freunden zu tun, die er in der Friedrichstraße treffen könne, aber nicht an der Hamburger Binnenalster. Es fehlt ihm, einfach auf der Straße angesprochen zu werden. Das machen die Hamburger nicht. „Die klappern höchstens mit den Kiemen, wenn sie mich sehen.“ Verstärkt wurde das Heimweh durch die Verleihung der Berliner Ehrenbürgerwürde. Darüber habe er sich „wirklich gefreut – das muss aber unter uns bleiben“. Ist das schon Altersmilde? Um das zu testen, muss man Biermann nur auf die neue Linkspartei ansprechen. Die „linke“ die Menschen nur, grollt er, und sei im Kern „reaktionär“.

Die neuen Lieder kreisen mehr um die großen Lebensfragen als um den politischen Zwist. Mal singt der Dichter, mal seine Frau Pamela, begleitet am Klavier oder mit der Gitarre. Die Heimkehr übrigens, „die gibt es gar nicht, das wissen wir spätestens seit der Odyssee.“ Loy

Am Montag tritt Biermann um 20 Uhr im Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, auf.

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