Jede Menge Zirkus : Spektakel zum Fest

Wenn die Feiertage nahen, beginnt auch die Saison der Weihnachtszirkusse und Varietés Bei Roncalli ist eine geheimnisvolle Eisbärentruppe die Zugnummer.

Christoph Stollowsky
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Bärenrätsel. Sind sie echt, die Polarriesen im Zirkus Roncalli oder wird dem Publikum ein Bär aufgebunden? Bis zur Premiere hütet...

Kein schlechter Werbegag. Fünf Eisbären balancieren auf dem Plakat zur Weihnachtsshow von Roncalli auf einer Wippe. Das kommt vermutlich gut an im knutbegeisterten Berlin – zumal viele Kinder ja auch den „kleinen Eisbären Lars“ lieben und Eishockeyfans die „Eisbären Berlin“. Roncalli-Gründer Bernhard Paul „führt im Tempodrom die größte Gruppe von Polarriesen vor, die es in den Manegen der Welt zu sehen gibt“, verkündet der Zirkus. „Tierisch lustig“ sei die Nummer. Berlins Tierschützer finden das jedoch ganz und gar nicht. „Einige haben schon protestiert“, sagt Paul. Gegen Eisbären im Zirkus. Dann macht er ein geheimnisvolles Gesicht – verrät aber kein Wort mehr. Vermutlich will Roncalli seine Besucher diesmal mit den Eisbären aufs Glatteis führen.

Schon 2008 gab’s vor der Roncalli-Weihnachtspremiere ein Rätselraten. Damals um Seelöwen, deren Auftritt gleichfalls umstritten war. Der Zirkus kapitulierte vor den Tierschützern, sagte der Dressurtruppe „Duss Family“ ab und kündigte stattdessen eine „unbedenkliche Nilpferdnummer“ an. Tatsächlich waren das aber Menschen in Dickhäuter-Kostümen. Ist das bei den Eisbären nun auch der Fall? Roncalli schürt die Neugier auf seine Show mit gutem Grund: Die Konkurrenz unter den Weihnachtszirkussen ist groß.

Drei Zirkusse machen Station in Berlin: Im Tempodrom spielt ab heute bis zum 3. Januar Roncalli. Am Olympiastadion gastiert der „Berliner Weihnachtszirkus“ noch bis zum 10. Januar, und am Hauptbahnhof ist von Sonnabend bis 3. Januar der Berliner Weihnachtsklassiker zu sehen: „Menschen, Tiere, Sensationen“ (MTS) unter der Regie des Zirkus Berolina – auch diese beiden versprechen, „die Berliner zu verzaubern“. Außerdem gibt es noch Varieté- oder Zirkusprogramme speziell für Kinder und Erwachsene, beispielsweise im Zirkus Cabuwazi, in der Bar jeder Vernunft oder im Tipi-Zelt, eingestimmt auf jene Wochenenden, an denen man sich gerne etwas Besonderes gönnt.

Zum Beispiel das „Fest der Pferde“ im Berolina-Zelt am Hauptbahnhof, wie die MTS-Schau heißt. Die großen Pferdedressuren der Kaiserzeit mit Schimmelherden, ungarischer Reiterei und Jonglagen, Flic-Flac oder Pyramiden hoch zu Ross sollen wieder aufleben und an die Glanztage der alten Zirkuskönige Ernst Jakob Renz oder Carl Busch erinnern. Drumherum „gibt es spannende artistische Nummern“ und natürlich Clowns. „Menschen, Tiere, Sensationen“ feiert in dieser Saison ein Jubiläum: 60 Jahre MTS. Erstmals war die Schau 1937 in der damals neu eröffneten Deutschlandhalle zu bewundern.

Ein Berliner Traditionsspektakel ist längst auch der Weihnachtszirkus des „Cirkus Voyage“. Bereits zum 16. Mal spielt er am Olympiastadion. Action garantieren Motorradartisten, die mit 60 km/h in der „Powerkugel“ umherrasen oder das „Trio Future“ auf dem US-Todesrad. Eine Kamelkarawane bringt 1001-Nacht-Stimmung , Hula-Hoop-Tänzerin Marina aus St. Petersburg lässt brennende Reifen um sich kreisen, danach marschiert eine ganze Armada afrikanischer Vierbeiner ein: Elefanten, Nashörner, Flusspferde und Giraffen.

Bei „Roncalli“ sind nicht nur die Eisbären Zugnummern. Die chinesische Shenyang-Truppe balanciert als Luftballett unter der Zirkuskuppel, Verbiegekünstler Andrey Romanovsky faltet sich so klein, dass er in ein Aluminiumrohr hineinrutscht, Andrej Ivakhnenko verbindet als „Roter Harlekin“ auf dem Drahtseil Akrobatik, Jonglerie und Pantomime.

„Achtung. Weihnachten ist in Gefahr“ wirbt Berlins Cabuwazi Kinder- und Jugendzirkus für seine Bühnenshow „Der Weihnachtsgnom“ im Heimathafen Neukölln. Ein Gnom bringt die Logistik des Weihnachtsmannes fürchterlich durcheinander. Das Kontrastprogramm für Ältere liefert das Trio Malediva in der Bar jeder Vernunft. Es gibt würzige Lebkuchen für alle, denen die rührseligen Seiten von Weihnachten auf den Keks gehen. Und im Tipi-Zelt setzt Soulsängerin Jocelyn B. Smith in „My Christmas Experience“ auf klassische Weihnachtssongs – teils schamlos umgewurstelt.

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