Krankheit : Epidemie bei Singvögeln: Grünfinken lassen Federn

Die Tiere erkranken vermehrt an Trichomonaden und verenden. Die Stadtentwicklungsverwaltung bittet Berliner, keine Vögel zu füttern.

Patricia Hecht
Grünfink
Bedroht: Die Grünfinken werden Opfer einer Epidemie. -Foto: dpa

Wer im Grünen wohnt oder in der Nähe von Parks, wird derzeit oft noch vom Gezwitscher der Vögel geweckt. Das helle Trillern und Pfeifen verstummt jedoch momentan vielerorts: Mehrere zehntausend Singvögel, darunter vor allem Grünfinken, sind in den vergangenen Wochen bundesweit an einem Infekt verendet. In Berlin, so die Schätzungen des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), fielen dem Erreger bereits mehrere hundert Grünfinken zum Opfer.

Auslöser der Vogel-Epidemie ist der Einzeller Trichomonas gallinae, der neben Amseln oder Haussperlingen insbesondere die kleinen Vögel mit dem gelbgrünen Bauch aufplustert und apathisch macht. Hals und Rachen entzünden sich, die Tiere können nicht mehr trinken und fressen. „In der Regel sterben die Vögel innerhalb von ein bis zwei Tagen einen qualvollen Tod“, so Nabu-Vogelexperte Ingo Ludwichowski.

Erste Fälle traten im Mai in Schleswig-Holstein auf, bald wurden auch in anderen Bundesländern tote Vögel mit entsprechenden Symptomen gemeldet. Während etwa Brandenburg offenbar bislang verschont blieb, „sticht Berlin heraus“, so Ludwichowski, in dessen Büro die Meldungen zusammenlaufen: „Hier werden viele tote Grünfinken auf Dachterrassen und Balkonen gefunden.“ Für Haustiere und Menschen seien diese Trichomonaden nicht ansteckend.

In Berlin zwitschern nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung momentan rund 120 000 Grünfinken. Wieso die Tiere gerade jetzt massenhaft sterben, ist unklar. „Vermutlich hat es damit zu tun, dass die Vögel auch in den Sommermonaten vermehrt gefüttert werden und das Klima dem Erreger zuträglich ist“, sagte Klemens Steiof vom Sachgebiet Artenschutz der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. An Tränken und Futterstellen stecken sich Vögel deshalb leicht an, weil der Parasit über den Schnabel abgegeben wird und sich etwa im Wasser rund 24 Stunden hält.

„Wenn Vögel sich ihr Futter selbst suchen, ist die Ansteckungsgefahr viel geringer“, so Steiof. Wie der Nabu appelliere man deshalb, Singvögel jetzt nicht zu füttern und ihnen kein Wasser zu geben. Mehr könne man nicht tun, so Steiof – Finken fangen und behandeln, das sei gar nicht möglich. Berliner Grünfinken sind zwar nicht vom Aussterben bedroht, so der Nabu. „Aber der Bestand kann deutlich getroffen werden“, sagte Ludwichowski. In Großbritannien etwa grassiere der Erreger seit mehreren Jahren, auch in Norwegen habe die Krankheit ihre Opfer gefordert. Man gehe aber davon aus, dass sich die Singvögel auf Dauer dem Erreger anpassten und nicht mehr sterben. Bei Buchfinken etwa gebe es möglicherweise schon Resistenzen – sie zwitschern weiter.

Mehr Informationen:

www.gruenfinken.nabu-sh.de

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