Kultige Kruste : Bäcker Weichardt liefert das Berlinale-Brot

Aus Wilmersdorf kommt der Duft des Kulinarischen Kinos: Berlinale Brot. In der kleinen Bäckerei von Bäcker Weichardt haben sich schon Brotfans aus aller Welt weitergebildet.

Elisabeth Binder

Die Kinderbrötchen bei Bäcker Weichardt haben den Brotgeschmack so manchen Berliners geprägt. Als Heinz Weichardt 1977 seine erste Bäckerei gründete, wollte er eine Attraktion für die vielen Kinder in der Umgebung schaffen. Die Minibrötchen aus Demeter-Getreide mit dem Honiggeschmack sind noch heute Kult im Wilmersdorfer Hauptgeschäft in der Mehlitzstraße 7. Weichardt war der Erste, der nach dem Vorbild des Antroposophen Rudolf Steiner backte. Berlinale-Chef Dieter Kosslick gehört zu den größten Fans des 67-Jährigen mit der fröhlichen Ausstrahlung und dem Blick fürs Natürliche. Das ist wohl auch der Grund, warum den Gästen beim Kulinarischen Kino der Berlinale das berühmte Brot serviert wird.

Schließlich wollen viele der dort gezeigten Filme das Bewusstsein schärfen für gute, erd- und menschenfreundliche Ernährung. Ein Praktikum bei Bäcker Weichardt steht auf Kosslicks To-Do-Liste ganz oben. In der kleinen Bäckerei mit hellhölzernen Regalen und Körben aus Weidenrohr haben sich schon Brotfans aus aller Welt weitergebildet, aus Japan, aus Spanien, aus Brasilien zum Beispiel.

Wichtigste Eignungsqualität für ein Praktikum in dem 30-Leute-Betrieb mit dem spürbar freundlichen Arbeitsklima ist „Wille und Liebe“. Wenn Weichardt und seine Frau Mucke das spüren, steht dem Mitmachen eigentlich nichts mehr im Wege. Sie wollen nette Menschen um sich haben. Gerade haben sie eine 51jährige Frau akzeptiert, die ihren Eltern zuliebe Wissenschaftlerin geworden ist und nach deren Tod nun endlich mal ihre eigenen Träume verwirklichen will.

Es ist harte Arbeit, aber sie macht Spaß

Das Heiligtum der Bäckerei Weichardt ist die Mühle mit schweren Mahlsteinen aus den Sextener Dolomiten, die Mineralien wie Rosenquarz und Moosachat in das Brot leiten. Deren Wert erkannte schon Hildegard von Bingen. „Brot essen bildet ja auch,“ sagt Heinz Weichardt und wirbt dafür, „den Kanten zu kauen, bis er süß schmeckt“.

Ursprünglich war der gebürtige Berliner als Konditor in Spandau beschäftigt. Als sein damaliger Chef ihm nahe legte, die Pralinen am Laufband zu fertigen, schwoll ihm der Hals zu. Der Arzt sagte: „Mach endlich deine Träume wahr“. Eine befreundete Kindergärtnerin: „Die Kinder brauchen endlich gutes Brot. Back Brot!.“ Ein befreundeter Arzt gab den notwendigen Startkredit. Dann war der Traum nicht mehr aufzuhalten. Bis heute verabscheut Weichardt Rationalisierungsmaßnahmen. „Jedes Brot ist ein Unikat. Man will es zur Blüte bringen.“ Es ist harte Arbeit, aber sie macht Spaß. „Die Qualität muss man sich jeden Tag neu erarbeiten.“

Wie ein roter Faden ziehen sich Alternativen zur ungesunden, schreckenerregenden Massenproduktion von Nahrungsmitteln in diesem Jahr durchs Kulinarische Kino. Den Duft dazu erlebt man in dieser Bäckerei. An den alten Rezepten hat Weichardt nichts geändert, er beschränkt sich auch in seiner Bandbreite, muss nicht jede Mode mitmachen. „Was gut ist, soll man nicht ändern“, ist einer seiner Wahlsprüche. Natürlich könne man alles schneller machen und Maschinen einsetzen. „Ich nehme lieber den Menschen, damit der sich an dem Brot profilieren kann.“

Vielleicht hat sein Brot deshalb solche Star-Qualitäten.

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