Kurse und Workshops : Die Tanzsaison hat begonnen

Jetzt beginnt die Tanzsaison mit neuen Kursen, Workshops und Bällen. Berlins Tanzlehrer freuen sich über einen Aufschwung, doch über manche Angebote kann man sich wundern.

Sebastian Leber
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Schwungvoll. Im Havanna-Club in Schöneberg gibt es dreimal die Woche kostenlose Salsa-Trainingseinheiten. -

Bootcamps sind immer unangenehm. Das gehört zum Konzept. In den USA werden in solchen Lagern kriminelle Jugendliche erzogen und mit viel Arbeit, Schweiß und Gehorsam zu anständigen Menschen gemacht. Beim Bootcamp von La Mambita in Schöneberg geht es auch brutal zu: aber da sollen die Teilnehmer nicht bessere Menschen, sondern passable Salsatänzer werden. Sieben Stunden dauert der Intensivkurs, zwischendrin gibt es Lockerungsübungen, damit der Muskelkater am nächsten Tag erträglich ist. Der Lohn: Wer vorher keine Ahnung vom Tanzen hatte – geschweige denn vom Salsa –, beherrscht hinterher schwierige Mehrfachdrehungen.

Die Tanzsaison hat begonnen. In Berlins Clubs, Schulen und auf Empfängen wird es wieder eng, demnächst fängt auch die Ballsaison an. Und bereits in der kommenden Woche starten zahlreiche neue Kurse, für Anfänger wie Fortgeschrittene. Berlins Tanzlehrer freuen sich über einen Aufschwung – nicht zuletzt deshalb, weil Tanzshows mit Prominenten im Fernsehen hohe Einschaltquoten erzielen. „Die Sendung ,Let’s dance‘ ist bei uns öfters Thema“, sagt Bootcamp-Anbieterin Bettina Cabrera Pedroso. Und Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis, die wegen ihrer Tanzeinlagen in der ersten Staffel von Boulevardzeitungen verhöhnt wurde, ist für die meisten Tänzer eher ein Vorbild. Weil sie etwas nicht konnte und es trotzdem probiert hat.

Ein weiterer Grund für die erhöhte Nachfrage nach Kursen und Workshops ist der Mut der Anbieter, Nischentänze und Trends ins Programm zu nehmen. Die Tanzschule La Mambita etwa lehrt nicht den klassischen kubanischen Salsa, sondern „Cross Body Style“. Der kommt aus Los Angeles und wird auf einer gedachten Geraden getanzt. „Der Unterschied ist: Kubanischer Salsa fühlt sich an wie Karussellfahren, unserer mehr wie Schaukeln.“ Es werde nicht mehr lange dauern, dann sei Cross Body Style der meistgetanzte Salsa Deutschlands, glaubt Pedroso.

Andere Schulen bieten den amerikanischen Line-Dance an, da bewegt man sich aneinandergereiht, jedoch ohne Körperkontakt, zu flotter Country-Musik. Zwischendurch darf man „Hee haw“ oder „Yeepie yeah“ rufen. Das klingt simpel, braucht aber Erfahrung: Fortgeschrittene können 72 Schrittfolgen hintereinander tanzen.

Auch für New Jazz, irischen Stepptanz und Hip-Hop gibt es Kurse. Und für Mambo. Der Tanz war lange out, erlebt jetzt ein Revival – und zwar vor allem bei den über 30-Jährigen. Das hat einen Grund: Mambo ist der Tanz aus „Dirty Dancing“, der Teenagerschnulze von 1987 mit Patrick Swayze als Berufstänzer Johnny. Wer Dirty Dancing damals als Jugendlicher im Kino gesehen hat, ist jetzt über 30. Dann gibt es noch die experimentellen Ausdruckstänze. Allen voran Butoh, der kommt aus Japan und heißt auf Deutsch „Tanz der Finsternis“. Wer zum ersten Mal Tänzer in Aktion sieht, ist meist peinlich berührt, so wild zappeln diese umher. „Mein Tanz ist aus dem Schlamm geboren“, hat Erfinder Tatsumi Hijikata einmal gesagt. Doch Butoh tut gut. Weil er nicht nur impulsiv, sondern auch meditativ ist. Erstmals wurde Butoh 1959 in Japan vor einem größeren Publikum aufgeführt. Die Reaktionen waren durchweg ablehnend, auch deshalb, weil dabei mitten auf der Bühne ein lebendiges Huhn zerteilt wurde. Bei den Butoh-Workshops in Berlin geht es friedlich zu, übernächste Woche startet einer im Theaterhaus Mitte am Koppenplatz. Es sind noch Plätze frei.

Und Ende Oktober beginnt die Ballsaison. Die meisten Bälle finden wieder im Palais am Funkturm statt. Wer zwar Schrittfolgen beherrscht, aber nicht die grundlegenden Benimmregeln solcher Veranstaltungen, dem bieten mehrere Berliner Tanzschulen „Antiblamier- Kurse“ an. Dort wird zum Beispiel den Männern beigebracht, richtig aufzufordern – nämlich nicht erst den Partner der fremden Frau um Erlaubnis zu fragen. Das wäre sexistisch. Ansonsten gilt: Am wahrscheinlichsten übersteht man einen Ballabend heil, wenn man stets die drei wichtigen Wörter präsent hat. Bitte. Danke. Entschuldigung. Auch im Internet gibt es Tipps. Auf der gerade gestarteten Plattform www.my-salsa.tv haben die Berliner Macher alle wichtigen Tanzschritte in kleinen Filmen aufgezeichnet. Da kann man immer wieder auf die Wiederholungstaste drücken, wenn man einen Schritt nicht verstanden hat. Ohne jemandem auf die Nerven zu gehen.

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