Lärmbeschwerden : Schall und Ärger in Kreuzberg

Die Columbiahalle soll Nachbarn bekommen – jetzt drohen Lärmbeschwerden Und wie sieht es beim SO 36 aus? Der Knaack-Klub sucht bereits neue Räume.

Nana Heymann
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Krach um den Club. Das SO 36 muss eine Lärmschutzwand bauen. -Foto: Doris S.-Klaas

Derzeit laufen die Verkaufsverhandlungen für das Gelände am Columbiadamm 23/29 in Tempelhof. Für zwei der wichtigsten Spielstätten der Stadt – die Columbiahalle und den Columbiaclub – könnte es Probleme geben. Die Fassaden beider Gebäude sind nicht schallisoliert. Ein Lärmgutachten soll nun klären, ob sich der Veranstaltungsbetrieb mit den Plänen des neuen Investors vereinbaren lässt. Er beabsichtigt, auf dem Areal Wohn- und Bürogebäude zu errichten. Bislang befinden sich dort verschiedene Werkstätten und ein Autohandel.

Axel Schulz, der die Spielstätten am Columbiadamm 9–11 vor zwei Jahren gekauft hat und sie ab dem nächsten Jahr übernimmt, gibt sich trotz der möglichen Probleme gelassen. „Momentan liegen keine Beschwerden wegen Lärmstörung vor und auch künftig wollen wir niemanden belästigen.“ Er habe sich mit Anwälten beraten, die auf Baurecht spezialisiert sind. Und die hätten ihm versichert, dass der Club und die Halle Bestandsschutz genießen. Außerdem stünden sie – wie der nahe gelegene Flughafen Tempelhof – unter Denkmalschutz. In den Gebäuden befanden sich einst eine Turnhalle und ein Kino. Seit den 90er Jahren finden darin Konzerte statt – erst am Dienstag spielten in der Columbiahalle die Indierocker Franz Ferdinand.

In der Ausschreibung des zu verkaufenden Grundstücks wird ausdrücklich auf die Konzerthallen in der Nachbarschaft hingewiesen. Das Areal ist knapp 20 000 Quadratmeter groß und umfasst auch das Gelände an der Friesenstraße 15a Ecke Schwiebusser Straße. Der Kaufpreis beträgt 2,9 Millionen Euro. Zu konkreten Plänen des Investors wollte sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit Verweis auf die andauernden Verkaufsverhandlungen nicht äußern. Ein Sprecher betonte jedoch, dass bei Lärmproblemen das Verursacherprinzip gelte – trotz Bestandsschutzes. Axel Schulz, der auch den Postbahnhof am Ostbahnhof betreibt, zeigt sich bereits kompromissbereit. „Ich will keinen Streit“, sagt er. Sollten Schallschutzmaßnahmen nötig sein, werde er einbauen lassen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Veranstaltungsstätte Ärger bekäme. Auch das SO 36 an der Oranienstraße in Kreuzberg kämpft derzeit um seine Existenz, weil sich ein Anwohner wegen des Lärms beschwert hatte. Die 70 000 Euro, die eine Schallschutzmauer kostet, haben die Betreiber durch Spenden und Solikonzerte zusammenzubringen versucht. Vor kurzem spielten sogar die Toten Hosen zugunsten des Clubs. Dennoch erhielten die Betreiber eine Kündigung zum 31. März 2010. Wegen unregelmäßiger Mietzahlungen. Die Anwälte der Betreiber legten Widerspruch ein. Es kam zu einem Gespräch mit der Hausverwaltung und dem Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Es sei sehr konstruktiv verlaufen, sagte ein Sprecher des Clubs. „Wir gehen davon aus, dass wir auch nach dem 31. März weitermachen können – im Einvernehmen mit der Hausverwaltung.“ Die war für Nachfragen nicht erreichbar. Die Schallschutzmauer werden die Betreiber aufgrund der zeitraubenden Auseinandersetzung in diesem Jahr jedoch nicht mehr errichtet können.

Der Knaack-Klub an der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg ist bereits einen Schritt weiter. Auch hier hatten sich die Bewohner eines neu errichteten Hauses hinter dem Club über den Lärm beschwert. Auch hier gab es ein Gespräch mit Vertretern des Bezirks und der gegnerischen Partei. Mit dem Ergebnis, dass der Konzertbetrieb derzeit nur eingeschränkt stattfinden kann. Die Betreiber ziehen nun einen neuen Standort in Betracht und sind auf der Suche nach neuen Räumen. Es wäre der erste Umzug seit der Eröffnung des Clubs vor 57 Jahren.

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