Lesung : Literarischer Ausflug in die Pubertät

Verschiedene Schulen in Berlin und anderen Städten haben die Autorenlesungen von Jaromir Konecny abgesagt. Die Schulleiterin der Gottlieb-Daimler-Oberschule in Spandau ließ sich von dem Trubel um den Sexbuch-Autor nicht irritieren.

Florian Ernst

„,Warum jammerst du immer, dass du so ’n kleines Ding hast‘, fragte Harry. ,Meiner ist auch nicht größer. Sollen wir messen?‘“, las Jaromir Konecny am Freitag von seinem Zettel auf dem Lesepult ab. Etwa hundert Schüler der Gottlieb-Daimler-Oberschule in Spandau hörten gespannt zu, als der Autor am Freitag an der Hauptschule aus seinem Jugendroman „Doktorspiele“ vorlas. Im Vorfeld hatte es an verschiedenen Schulen in Berlin und anderen Städten Trubel wegen des Buches gegeben. Mehrere Berliner Gymnasien hatten vereinbarte Autorenlesungen abgesagt. Der Vorwurf: Dem Buch fehle der literarische Anspruch, es habe daher nichts an Schulen zu suchen. Doch vor allem das Thema des Buches gefällt einigen Lehrern offenbar nicht. Das Buch erzählt die Geschichte eines 16-Jährigen, der voll in der Pubertät steckt und nur eines im Kopf hat: Sex.

Die Schulleiterin der Gottlieb-Daimler-Schule Marion von Mettenheim ließ sich davon nicht abschrecken. Sie saß selbst zwischen den Siebt- bis Zehntklässlern, als Konecny vor den Schülern in die Rolle seines Protagonisten Andi schlüpfte und mit bayerisch-böhmischem Akzent von Doktorspielen, vom Penismessen und einem amüsanten Badeausflug in Omas rosa Unterhose erzählte. Doch Konecny las nicht nur vor. Er jonglierte mit Bällen und erklärte den Schülern, wie die verschiedenen Jongliertricks heißen und funktionieren. Und er spielte einen selbst komponierten Song vor. Zwischendurch suchte er das Gespräch mit seinen Zuhörern und animierte sie dazu, selbst etwas vorzuführen. Am Ende durften Fragen gestellt werden. „Wie schreibt man denn eine Geschichte?“, wollte eine Siebtklässlerin wissen. „Denk nach, was dir Lustiges passiert ist und schreib es auf“, empfahl der Autor.

Die Schüler, aber auch die Lehrer waren von der Lesung begeistert. „Ich hab gedacht, das wird total langweilig. Aber das war richtig gut“, sagte Jasmin, eine Zehntklässlerin, nach der Lesung. Sie fand es so interessant, dass sie sich das Buch sogar kaufen will. „Ein Buch kaufen? Das höre ich hier selten“, sagte die Schulleiterin. Florian Ernst

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