Stadtleben : Lichte Momente

Gestern öffnete das neue „Stadthaus für die Kunst“ von Heiner Bastian – und begeisterte viele Berliner

Katja Reimann

Nur noch eine Treppenstufe hinaufsteigen, und schon schwebt man über der Spree. Das riesige Fenster zwischen dem ersten und zweiten Stock im neuen „Stadthaus für die Kunst“ des Galeristen Heiner Bastian reicht vom Fußboden bis zur Decke und gibt den Blick frei: auf die Museumsinsel gegenüber, den blaugrauen Berliner Himmel darüber und das dunkelgrüne Wasser der Spree darunter.

Am Sonnabend öffnete das vom britischen Architekten David Chipperfield entworfene Gebäude Am Kupfergraben 10 in Mitte seine Türen für die Bevölkerung – und viele Berliner zeigten sich von der neuen Adresse für zeitgenössische Kunst hellauf begeistert.

Im Sommer 2007 hatte Kunstsammler Heiner Bastian mit Aplomb das Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof und damit auch die von ihm betreute Sammlung Marx verlassen. Zeitgleich war schon das private Kunsthaus in Vorbereitung, in dessen zweiter Etage Bastian nun moderne Kunst zeigen will. Ansonsten wird das Gebäude von der Galerie Contemporary Fine Arts und Medienmanagerin Christiane zu Salm genutzt.

„Es ist der Hammer“, sagt Ulrike Rose (42) und zückt ihr Fotohandy. Man weiß nicht recht: Meint sie die Aussicht auf die Ruinen des Palastes der Republik, die Kunstwerke von Turner-Preisträger Damien Hirst in Heiner Bastians Ausstellung oder die besondere Architektur? Wahrscheinlich ist es ein bisschen von allem, denn Kunst und Architektur lassen sich hier nicht trennen. „Dieser Bau ist ideal für meine Arbeiten“, lobt Künstler Walter Pichler, der bis Mitte Januar Werke zum Thema „Es ist doch der Kopf“ in der Galerie Contemporary Fine Arts zeigt. Die Kunst stehe hier in Räumen mit natürlichem Licht im Mittelpunkt.

Auch Kunsthistoriker Thorsten Kühsel, der durch die hell gestrichenen Ausstellungsäume schlendert, schwärmt von den Räumen: „Dieses Haus ist ein Glücksfall für Berlin.“ Die Stadt brauche Orte der Gegenwartskunst, meint Kunstgeschichte-Studentin Johanna Spanke (21).

Dann betrachtet sie Damien Hirsts Installation „Figures in a Landscape“ in der Galerieetage Heiner Bastians. In dem gläsernen Kasten stehen viele schwarze Müllsäcke, eine Stehlampe und ein alter Garderobenschrank. Der Titel von Hirsts Ausstellung heißt „Void“ – Leere. Um die musste sich Heiner Bastian gestern nicht sorgen: Sein Kunsthaus war am Sonnabend überaus gut besucht.

Öffnungszeiten Galerie Bastian: Mittwoch bis Sonnabend, 11–17 Uhr. Galerie Contemporary Fine Arts: Dienstag bis Sonnabend 11–18 Uhr, Tel: 28 87 870.

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