Mit Nooteboom auf Reisen : Bilder vom Ende der Welt

Mit Simone Sassen und Cees Nooteboom ans andere Ende der Welt reisen: Aus Anlass des 75. Geburtstags des Schriftstellers erscheint das gemeinsame Reportagebuch "Ultima Thule" über Spitzbergen. Beide stellten die Fotos aus dem Band in Berlin vor.

Rolf Brockschmidt
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Am Ende der Welt. Simone Sassen und Cees Nooteboom gestalteten einen Reportageband von Spitzbergen. -Foto: Photographien Simone Sassen c 2008 Schirmer/Mosel

Es war wieder einmal ein Abschied von Berlin, aber gewiss nicht der letzte. Cees Nooteboom und seine Frau, die Fotografin Simone Sassen, waren seit Oktober Gäste der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen beim Bund in Berlin. Eine ereignisreiche Zeit, mit Ehrendoktorwürde der Freien Universität und Lesereise durch Deutschland. Staatssekretär Michael Mertes zeigte sich dennoch sehr erfreut darüber, dass sein berühmter Gast trotz der vielen Verpflichtungen seiner Einladung gefolgt war. Und nun die Abschiedslesung mit über 200 Gästen - für Mertes die Bestätigung, das neue Projekt „Schriftsteller zu Gast“  im nächsten Jahr in der Landesvertretung fortzuführen. Cees Nooteboom wiederum lobte den Staatssekretär als Kollegen, denn es sei schon sehr ungewöhnlich in diesen Kreisen auf einen Mann zu treffen, der Shakespeares Sonette ins Deutsche übersetzt.

Seit fast 30 Jahren begleitet Simone Sassen Cees Nooteboom auf seinen Reisen und mit ihrer ganz eigenen Handschrift hält sie das, was Nooteboom mit seinen Worten beschreibt, auf ihre Weise mit ihrer Kamera fest. Ihr neustes gemeinsames Projekt ist das Buch „Ultima Thule – Eine Reise nach Spitzbergen“ (Schirmer / Mosel, 128 Seiten, 29,80 Euro) mit 101 Farbtafeln, das Nooteboom mit einem Essay eingeleitet hat. Eine Reise ans Ende der Welt, eine karge, atemberaubende Landschaft, in der mehr Bären als Menschen leben, kalt, abweisend und doch wieder faszinierend. Höhepunkt der Reise war der Besuch des ehemaligen russischen Bergwerkes „Pyramiden“, das 1998  von einem auf den anderen Tag von den Russen aufgegeben wurde. „Wir bekommen eine knappe Stunde Zeit, und das wird eine Stunde, eingetaucht in komplette Vergangenheit, ein kommunistisches Pompeji ohne Leichen“, schreibt Nooteboom. Simone Sasses stille Farbfotos dieser grauen majestätischen Landschaft beeindrucken, die Häuser der Russen und ihre Gerätschaften hinterlassen rostige Farbflecken in einer menschenleeren Landschaft. Erinnerungen an Stützpunkte in der ehemaligen DDR werden wach, Simone Sassen hält Momente des konservierten Alltags fest, Blumentöpfe, Lampen, ein defektes Schlagzeug – Zeugnisse von Stillstand und Zerfall.

Die Ausstellung, in der auch einige Fotos aus ihrem Buchprojekt „Thumbas“ über Schriftstellergräber zu sehen sind,  ist in der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen (Hiroshimastraße 12 – 16) noch bis zum Sonntag, dem 14. Dezember von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

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