Modemacher Gleber : Rot ist seine Lieblingsfarbe

Modekünstler und Jägersohn: Nikolas Gleber macht aus Fuchspelz Accessoires für Großstadtmenschen.

Grit Thönnissen

Der Kopf ist noch dran. Und der buschige Schwanz fühlt sich fast lebendig an. Die Stola ist ein ganzer Fuchs samt kleinem eingetrockneten Näschen. „Man soll schließlich das ganze Tier erkennen“, findet Nikolas Gleber. Er hat sich das Projekt „Friendly Fur“ (www.friendlyfur.de) ausgedacht. Nikolas Gleber mag Rot. Nicht nur sein Flur ist komplett in dieser nicht gerade beruhigenden Farbe gestrichen, auch in seinen Haaren kann man einen leichten Rotstich erkennen. Irgendwie hängt alles zusammen – dass er ein Stadtmensch ist und den Fuchs hierher holt.

Gleber kommt aus der Nähe von Hannover. Da fährt er gern hin, macht Spaziergänge und kommt dann schnell zurück in die Stadt. Dass er mit auf der Pirsch war und sowohl Vater als auch Großvater einen Jagdschein haben, hat seinem Pragmatismus sicher nicht geschadet.

Was mit den Füchsen passiert, die in einem Revier geschossen werden, weiß er von seinen Verwandten: „Normalerweise kommen die in die Tierkörperbeseitigung, weil sie kein essbares Wild sind.“ Für Nikolas Gleber ist es ein Kreislauf: „Der Jäger hat die Pflicht, Tiere zu erlegen, damit es keine Überpopulation gibt, sich keine Seuchen verbreiten und die Tiere ihre Lebensräume nicht verlassen.“ Seine Füchse haben in hessischen Wäldern gelebt, geschossen werden sie nur im Winter, denn dann ist das Fell am dichtesten.

Natürlich weiß er: Pelze sind ein Reizthema. Es gibt viele Tierschutzverbände und Pelzgegner, die strikt gegen die Verarbeitung von Pelzen sind – selbst wenn die Tiere nicht wegen ihrer Felle gezüchtet oder gejagt werden. „Es gibt keine Kopfprämie für jedes erlegte Tier“, betont Gleber.

Anja Sorges, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes Berlin, hat zur Jagd ebenfalls eine pragmatische Einstellung. Allerdings stellt sie klar: „Es gibt bei Füchsen keine Überpopulation.“ Und sie hat noch nie gehört, dass ein Beutegreifer wie der Fuchs seine Beute ausgerottet hätte. „Der Fuchs ist ein Generalist, er frisst vom Regenwurm bis zum Hasen alles. Der Fuchs muss also nicht bejagt werden, aber da, wo es passiert, bricht die Population nicht weg.“

Nicht dass irgendjemand denkt, Nikolas Gleber wolle mit den Füchsen Massenmode machen. Im Gegenteil: Es soll ein langlebiges Produkt werden, und limitiert ist es dazu. Von jedem Modell soll es höchstens 100 Stück geben. Gleber hat es auf die Damen der Gesellschaft abgesehen. Wenn die beim Kaffeekränzchen sitzen, soll die eine die andere für ihren tollen Fuchs loben und „Friendly Fur“ weiterempfehlen. So stellt sich Gleber das vor.

Konkurrenz möchte er weder den Kürschnern noch den Modedesignern der Stadt machen. Eine Agentur betreibt er ebenso wenig wie ein Modelabel, da will er sich nicht festlegen. Das trifft auch auf seine Wohnung in einem Stalinbau an der Frankfurter Allee zu. Sie ist alles auf einmal: Das weiße Wohnzimmer ist privater Raum, kann aber auch zur Lounge umfunktioniert werden. Der Flur dient als Galerie, auf den meisten Bildern und Fotos ist der Hausherr selbst abgebildet. Und rothaarige Models kann man bei ihm buchen. Klar, dass Nikolas Gleber ganz genau weiß, welche seiner Produkte ihm besonders gut stehen. Statt der Pelzmütze führt er lieber die Sonnenbrille mit den Pelzüberziehern für die Bügel vor. Und auf Vernissagen trägt er gerne eine Fuchsstola.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem mottenzerfressenen Umhängepelz aus Großmutters Beständen und dem von Nikolas Gleber – er ist moderner. Die Augen blitzen grüner, und das Fell ist dicht und sehr weich. Sonderwünsche nimmt der Jägersohn gern entgegen. Die Augenfarbe seines Umhängetiers kann man auf seine eigene abstimmen lassen. Die Glasaugen werden von Hand bemalt. Seinen eigenen eher schlichten Wollmantel hat er sich mit einem roten Pelz aufspoilern lassen – auch das gehört zu seinem Angebot.

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