Stadtleben : Muntermacher

Christophe Carbon ist seit kurzem Lafayette-Chef - und hat hier viel vor

Seesterne und Sandeimerchen zieren die Badehose von Christophe Carbon, dem neuen Geschäftsleiter der Galeries Lafayette. Das gleiche Modell in Klein trägt sein Sohn, und im Partnerlook sind die beiden im Schwimmbad richtig stolz aufeinander. Der 36-Jährige ist Vater von vier Kindern und träumt davon, irgendwann den Modebereich des Kaufhauses in der Friedrichstraße um Kindersachen zu erweitern. Bislang sind die noch eher die Ausnahme. Zunächst möchte er aber die Kontinuität waren und vor allem neue Modemarken ins Haus holen, „die Labels von übermorgen“.

Mode und Lebensmittel gelten vielen als Pfeiler französischer Lebensqualität. Diese beiden Bereiche bestimmten auch Carbons Karriere. In den Hypermärkten Auchon, für die er früher gearbeitet hat, riesigen Einkaufsmärkten auf dem freien Feld, gingen am Wochenende schon mal 200 000 Lebensmittelartikel durch die Kasse. Franzosen lieben es, für ein oder zwei Wochen auf Vorrat einzukaufen, und sie schätzen große Vielfalt im Angebot. Da gibt es nicht nur fetten oder fettarmen Joghurt, sondern zwischen fünf und vierzig Prozent Fettanteil diverse Stufen im Fünferabstand.

Die Supermärkte sind eine Männerwelt, weil es schwere Lasten zu schleppen gibt. Um auch mal mit Frauen zu arbeiten, wechselte Carbon zu „Promod“, einer Bekleidungskette mit 700 Geschäften weltweit, war unter anderem zuständig für Outletcenter und die Geschäfte in vielen arabischen Ländern.

Bei Lafayette kann der neue Mann an der Spitze nun beide Kompetenzen einsetzen, denn das Angebot umfasst ja im Wesentlichen Mode und Lebensmittel, eingerahmt von französischem Lebensgefühl und vielen Kulturveranstaltungen, wie zuletzt die Ausstellung zur Geschichte des Lippenstifts. Schuhe würde er noch gern ins Sortiment aufnehmen. Im Moment stehen in dem Haus an der Friedrichstraße 7000 Quadratmeter für Mode zur Verfügung und 1800 Quadratmeter für Lebensmittel.

Die schwierigen Zeiten seien überwunden, sagt Christophe arbon, die Zahlen seien schwarz. Auch die Eröffnung des Einkaufszentrums „Alexa“ am Alexanderplatz habe nicht geschadet. Konkurrenz sieht Carbon nicht: „Dazu sind wir zu französisch und insofern einmalig.“ Konkurrenz bedeutet für ihn, „besser zu sein, als wir im letzten Jahr waren.“

Bevor Christophe Carbon im April Geschäftsleiter wurde, hatte er schon mehr als ein Jahr in Berlin verbracht, anfangs ohne Familie, weil das Schuljahr noch nicht zu Ende war und er sich auch ganz auf die Arbeit konzentrieren wollte. Unterschiede im Arbeitsstil entdeckte er schnell. „Die Deutschen überlegen vor einer Entscheidung immer länger und denken über alle Konsequenzen nach. Franzosen wollen sehr viel schneller reagieren.“ Die Kombination beider Stile findet er ideal: „Man ist schneller als die Deutschen und macht weniger Fehler als die Franzosen.“

Berlin war ganz anders, als der Franzose erwartet hatte: „So grün und so sicher. Auch längst nicht so teuer wie Paris.“ Für eine Woche, sagt Carbon, ist Paris die schönste Stadt der Welt. Aber wenn es um die Lebensqualität auf Dauer gehe, habe Berlin doch viele Vorteile. Am Lietzensee hat er ein neues Zuhause gefunden, sein Feriendomizil zwischen Lyon und Grenoble aber behalten, schon damit die Kinder auch französisches Lebensgefühl kultivieren können. Er fährt gerne Ski und liebt die Berge.

Am Wochenende erkundet Christophe Carbon mit der Familie gern etwas Neues, und da es so viel zu sehen gibt, will er demnächst auch mal eine ganze Urlaubswoche für die Stadterkundung einsetzen. Er spricht inzwischen zwar fließend Deutsch, hat aber schon ein wenig Sorge, dass die kleine Tochter, die im Kindergarten die Sprache lernt, ihn bald überrundet. Mit dem Sohn geht er am liebsten ins Schwimmbad, zum Beispiel ins Brandenburgische Tropical Island. Trotz der vielen Arbeit müssen die schicken Badehosen schließlich ausgeführt werden. Bi

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