Neuer Pachtvertrag : Gnadenfrist fürs Kunsthaus Tacheles

Das Kunsthaus Tacheles muss nicht mit einer Räumung rechnen und bekommt voraussichtlich einen neuen Vertrag. Eine langjährige Nutzung soll es aber nicht geben.

Ralf Schönball

Die zu einem Verein zusammengeschlossenen 30 Künstler können sich allerdings nicht auf eine langjährige Nutzung einstellen. Dies sagte gestern auf Anfrage Thorsten Appel, Zwangsverwalter der Grundstücke, auf dem das Tacheles.

Wie berichtet, hat das Amtsgericht Mitte eine Zwangsversteigerung der 16 Grundstücke zwischen Oranienburger und Friedrichstraße angeordnet. Der frühere Grundstücksbesitzer, eine Firma aus der Fundus-Immobiliengruppe, hatte den Künstlern den Pachtvertrag zum Ende dieses Jahres gekündigt. „Es wird keine Räumung geben“, sagte nun Appel.

„Wir verhandeln über einen neuen Pachtvertrag und sind optimistisch“, sagt auch Martin Reiter vom Verein „Kunsthaus Tacheles“. Dass der neue Vertrag eine kurze Laufzeit haben wird, nimmt er gelassen: „Wir hören seit 1992, dass es ganz schnell gehen soll mit der Räumung“ Passiert ist bisher wenig. Dabei sollte nach Plänen der Fundus-Gruppe ein Designhotel, Büros und Eigentumswohnungen bereits vor drei Jahren fertig sein. Von Investitionen über rund 400 Millionen Euro war die Rede. Doch bei den Ankündigungen blieb es bisher.

Fundus selbst äußerte sich nicht zu dem Projekt und der drohenden Zwangsversteigerung. Von einer Insolvenz der für das Projekt zuständigen Fundus- Tochter „Johannishof Projektentwicklung“ ist nichts bekannt. In die Zwangsverwaltung und die Zwangsversteigerung trieb die HSH-Nordbank das Grundstück. Ihr stehen laut Grundbuch Forderungen in Höhe von 75 Millionen Euro zu. Dem Vernehmen nach ist das Tischtuch zwischen Schuldnern und Gläubigern nicht zerrissen. Theoretisch könnte sich die Fundus-Gruppe an der Zwangsversteigerung des Grundstücks beteiligen. Sollte sie das beste Gebot abgeben und dabei unter den Forderungen der Bank bleiben, wäre sie so ganz elegant einen Teil ihrer Schulden los.

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