Neukölln : Trommeln für die neue Rütli-Mensa

Aus einer alten Gymnastikhalle ist ein freundlicher Speisesaal für den Neuköllner Schulcampus entstanden.

Thomas Loy

Rütli ist ein Synonym für Extreme. Vor Jahren die Kapitulation eines Hauptschul-Kollegiums, Gewaltexzesse, Schulverweigerung, heute das Labor für die Schule der Zukunft. Schulleiterin Cordula Heckmann spricht von neuen Konzepten und Aufbruchstimmung. „Wir sind glücklich und voller Dank.“

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Die Rütli-Schule heißt jetzt „Rütli- Campus“, abgekürzt RC2. Die hochgestellte 2 steht für „ein Quadratkilometer Bildung“, allerdings umfasst der Campus nur knapp 50 000 Quadratmeter. Zur Eröffnung der neuen Mensa sind zwei Senatoren, ein Bürgermeister, ein Schulstadtrat und eine ehemalige First Lady erschienen. Viele Fotografen sind da, nur der rote Teppich fehlt. Die Mensa war mal eine olle Gymnastikhalle. Jetzt glänzt das alte Parkett, als wäre es nagelneu, die Wände sind in hellen Farben gestrichen. Rund eine halbe Million Euro kostete die Umgestaltung, 90 Prozent kamen vom Bund, 10 Prozent vom Bezirk Neukölln.

Zwei Schülerkapellen blasen und trommeln zum Festakt. Zwischendurch lauschen die Rütli-Musiker geduldig den Reden der Politiker. So brav, dass Schulstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) seine Anerkennung ausspricht. Waren das mal die wilden Rütli-Schüler?

Die neue Mensa ist das erste Bauprojekt auf dem neuen Campus. Im Herbst sollen die Fachräume für Naturwissenschaften und ein neuer Kunst- und Musikraum fertig sein – Kosten rund 700 000 Euro. Neue Computer sind schon angeschafft, die Kreidetafeln sollen peu à peu durch Multimedia-Boards mit Internetzugang ersetzt werden. Für rund fünf Millionen Euro soll 2010 eine „Quartierssporthalle“ entstehen, anschließend für etwa 10 Millionen Euro eine neue Grundschule. Unklar ist noch, wie die gymnasiale Oberstufe, für die sich besonders Schirmherrin Christina Rau einsetzt, verwirklicht wird. 2012 ist laut Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) die Fertigstellung geplant. Zwischen 1000 und 1400 Kinder werden dann auf dem Campus betreut und unterrichtet, vom Windelalter bis zum Abitur. Der „Feldversuch“ Rütli-Campus werde „Inspiration für neue Formen von Bildung und Integration“ sein, verspricht Buschkowsky. Schon jetzt informierten sich Delegationen aus vielen Ländern über das Projekt. Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) baut schon mal zu erwartenden Begehrlichkeiten vor: „Das ist eine neue Qualitätsstufe, die sicherlich nicht überall nötig sein wird“, aber eben in Neukölln „die einzig richtige Antwort ist“.

Aufgehen im Rütli-Campus werden die Rütli-Schule, die Heinrich-Heine- Realschule, die Franz-Schubert-Grundschule, zwei Kitas, eine Volkshochschule, der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und ein Jugendklub. Konkret sind vier siebente Klassen im vergangenen Herbst als Vorhut der künftigen Gemeinschaftsschule gestartet. Auch die Franz-Schubert-Grundschule hat ihre ersten Klassen schon auf dem Campus.

Die Mensa wird erst mal ganz bescheiden anfangen, mit Spaghetti und Tomatensoße. Die Kapazität von 114 Plätzen wird noch nicht ausgeschöpft. Schließlich müssen viele Eltern noch überzeugt werden, dass der Essensobulus von 32 Euro im Monat nicht nur dem Sattwerden dient, sondern auch der Integration in die Campus-Gemeinschaft.

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