Ökomode : Grün und glamourös - unsichtbare Umweltfreundlichkeit

Wollsocke ade! Die Ökomode liegt im Trend. Wie gestrickte Pullover aus unbehandelter Schafwolle und Jesuslatschen salonfähig wurden.

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Hess Natur holte sich den spanischen Avantgardedesigner Miguel Adrover. Foto: Promo
Hess Natur holte sich den spanischen Avantgardedesigner Miguel Adrover. Foto: Promo

Ökomode ist kein schöner Begriff. Er erinnert an grob gestrickte Pullover aus unbehandelter Schafwolle oder gebatikte Zeltkleider, die es natürlich auch immer noch gibt. Aber inzwischen führen sie eine Nischenexistenz im weiten Feld umweltfreundlich produzierter Kleidung.

Seit den achtziger Jahren hat sich eine Menge getan. Es ist ein wenig paradox: Umweltfreundlichkeit hat an Bedeutung gewonnen, aber man sieht sie den Produkten nicht mehr an. Der ästhetische Aspekt steht im Vordergrund. Ökomode soll nicht so aussehen, als gehe es bei Materialien und Herstellung einzig und allein um Umweltrichtlinien. In dem Maß, in dem Umweltbewusstsein gesellschaftlich akzeptiert wurde, ist das Bedürfnis geschwunden, es zur Schau zu stellen.

Das hat vor wenigen Jahren auch Hess Natur aus Butzbach erkannt, der wichtigste deutsche Ökomode-Produzent. Das 1976 gegründete Unternehmen hatte sich bis dahin auf hochwertige, aber unauffällige Naturtextilien spezialisiert. 2008 verpflichtete es den spanischen Avantgarde-Designer Miguel Adrover, ohne deshalb seine strengen Anforderungen an den ethischen und ökologischen Wert seiner Produkte zu verleugnen.

Das machen beileibe nicht alle Hersteller so, und hier liegt derzeit eines der Hauptprobleme der schnell wachsenden Branche. Es existieren zahlreiche Gütesiegel für Ökobekleidung. Manche bewerten die Qualität der Rohstoffe, andere den Herstellungsprozess, wieder andere beziehen die Arbeitsbedingungen der Produzenten mit ein. Insgesamt herrscht große Unübersichtlichkeit; teilweise geben sich Firmen, die auf den Öko-Zug aufspringen wollen, sogar eigene Gütesiegel, die Umweltverträglichkeit suggerieren sollen, aber nicht einmal unabhängig kontrolliert werden.

Dass selbst Öko und Luxus inzwischen keine Gegensätze mehr sind, wird nirgends so deutlich wie beim Greenshowroom, einer kleinen, feinen Modemesse, die während der Berliner Fashion Week im Sommer stattfindet. Sie hat sich als Domizil das Luxushotel Adlon ausgesucht und präsentiert in den herrschaftlichen Suiten umweltfreundliche Kleidung, Accessoires und Kosmetik.

Die Köpfe der Messe sind Jana Keller und Magdalena Schaffrin. Keller entwirft unter dem Label RoyalBlush Taschen, Schaffrin macht luxuriöse und trotzdem umweltfreundliche Mode. Seit 2007 entwirft sie edle, puristische Kleidung für Männer und Frauen, der man nicht ansieht, dass die Materialien nach strengen Maßstäben zertifiziert sind. Weil der Designerin aber gerade dieser Aspekt wichtig ist, gründete sie 2009 den Greenshowroom, wo sich gleich gesinnte Marken präsentieren.

Während der Fashion Week zeigten im Juli auch spezialisierte Showrooms und die Messe The Key.to im Postbahnhof umweltbewusste Mode. Im Gegensatz zur Luxusmesse Greenshowroom präsentiert The Key.to auch grüne Mode, die den traditionellen Wurzeln in der Alternativkultur noch recht nahe ist, etwa ökologische Streetwear. Gemeinsam ist den Events, dass sie nicht exklusiv auf Fachbesucher setzen, sondern für einen Tag auch die Öffentlichkeit einladen. Den Veranstaltern geht es darum, breite Aufmerksamkeit zu wecken. Davon, dass grüne Mode nicht nur gut für Mensch und Umwelt, sondern auch schick ist, wollen sie möglichst viele Leute überzeugen. Bei Ökomode geht es eben immer noch darum, die Welt ein wenig besser zu machen.Jan Schröder

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