PARTY Gänger : Münzclub

Johanna Lühr

In diesen Club kommt man nicht einfach so. Der Münzclub ist nur für Mitglieder. Ein Blick hinein lohnt sich trotzdem, denn erstens kann sich jeder bewerben und zweitens dürfen Mitglieder Freunde mitbringen. Und drittens: Er ist wunderschön.

Den Club findet man in der Münzstraße in Mitte gleich über dem DieselLaden. Eine Altbauwohnung, 250 Quadratmeter groß, mit hohen, stuckverzierten Decken und dunklen Parkettböden und langen, labyrintischen Fluren. Ein bisschen so wie in dem Bertolucci-Film „The Dreamers“. Es gibt ein Kaminzimmer mit schwarzen Ledersesseln und holzvertäfelten Wänden. Gegenüber liegt der Salon, minimalistisch mit Architektenhockern und Tafeln möbliert und einem Erkerzimmer daneben. Von der Decke hängen Kronleuchter, die in den hellen Räumen erstaunlich leicht und überhaupt nicht protzig wirken. Dafür wirkt das Kaminzimmer umso altmodischer. Fehlen nur die alten Herren, hinter deren Zeitungen der Zigarrenqualm aufsteigt.

Am morgigen Freitag öffnet der Club nach der Sommerpause wieder für seine Mitglieder. Es gibt ihn seit drei Jahren in Berlin, sagt ein Mitarbeiter. Die Wohnung gehört einer alten jüdischen Familie, die schon vor Jahren nach Amerika gegangen ist. Es soll ein bisschen gedauert haben, sie davon zu überzeugen, die Räume an einen Club zu vermieten.

Der Jahresbeitrag liegt bei 300 Euro. „Natürlich funktioniert das überhaupt nicht in Berlin“, sagt der Münzclubmensch erstaunlich vergnügt. Es gebe hier nun mal nicht die Tradition des Privatclubs und dann auch noch genug Orte, an denen man Gleichgesinnte treffen kann. Besonders in Mitte. In Dublin haben sie einen zweiten Münzclub mit 2000 Mitgliedern, in Berlin sind es nur ein paar Hundert.

Aber das Netzwerken klappt schon ganz gut. Das ist die eigentliche Idee des Clubs: Leute aus Kunst und Kultur zusammenzubringen. Der eine hat eine Idee, der andere das Geld, und am Ende gibt es einen Film. Und die Warm-ups, Bergfeste und Premierenpartys dazu natürlich im Münzclub. Fast täglich filmt, interviewt, workshoped hier jemand. Vor ein paar Wochen war Brad Pitt einen ganzen Nachmittag hier, um mit seinen Architektenfreunden von Graft im Hinterzimmer in aller Ruhe Pläne auszuhecken. Eigentlich, so meint der Münzclubmensch, würde ihm das Prinzip der offenen Tür sehr viel mehr liegen. Aber leider kommen da nicht immer die Richtigen vorbei und am Ende brauche man dann doch wieder einen Türsteher. Den gibt es hier nicht. Nur eine Klingel und eine Mitgliedschaft. Und hier und da vielleicht eine strategische Freundschaft. Ehrlich gesagt: lohnt sich. Johanna Lühr

Münzclub, Münzstraße 23, Bürozeiten Dienstag bis Freitag 12–18 Uhr, Tel: 28 09 68 07, office@muenzsalon.net

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