PARTY Gänger : Nbi

Johanna Lühr

Zehn ist gut. Nicht mehr neu, noch kein Klassiker, aber ein richtig runder Clubgeburtstag. Die neue Berliner Initiative wird zehn Jahre alt. Und sieht aus wie immer. Rotes Licht, alte Sessel, ein Kicker in der Ecke und eine Tanzfläche hinter dem Vorhang, so ein bisschen gewürfelt und gemütlich, eine Mischung aus Freizeitheim, Tanzladen und Spelunke. Und ordentlich dunkel ist es hier drin und noch nicht voll um Mitternacht. Kein Wunder, der Tag war zu schön, zu warm, auch wenn die Nächte noch nicht lau sind, aber das muss man in Berlin einfach mal ignorieren. Die Bierbänke vor dem Eingang sind jedenfalls voll besetzt. Nur ein paar unruhige Jungs springen immer wieder auf. Na dann geh halt schon rein, sagt das Mädchen zu ihrem Freund, und als er weg ist: Ey, der kann auch echt nichts alleine machen. Macht er dann aber schon, er geht kickern und dort bleibt er dann für den Rest des Abends. Samstag ist „Diskomat“ und das bedeutet erstens: ziemlich poppige Tanzmusik und zweitens: mehr Jungens und Mädchen als sonst. Gut gemischt bleibt es trotzdem. Daran kann auch die Kulturbrauerei nichts ändern.

Vor ein paar Jahren ist das Nbi in den Raum vorne an der Schönhauser Allee gezogen und Teil der Feierei-Brauerei geworden. Das Ende der Avantgarde! Der Anfang des Kommerzes! Das haben zumindest ein paar ihrer Anhänger gerufen. Doch irgendwann sind die Unken verstummt. Und kommen weiter zum Tischtennis am Montag, Berlin-Hilton am Mittwoch und zum „Diskomat“, na ja, auch daran hat man sich gewöhnt.

Angefangen haben die zwei Gründer vom Nbi am Senefelderplatz, im Hinterhof, wo heute das White Trash ist. Ein Miniraum mit kleiner Tanzfläche und neuer Elektromusik, dazu gab es ein eigenes Label, gibt es immer noch, nur haben sie gerade nicht so viel Zeit, sich darum zu kümmern. Erst als es den Nachbarn zu laut wurde, zogen sie die Schönhauser hinauf, wurden ein bisschen größer und mit ihnen wuchs ihr Publikum. Wir haben unsere Quadratmeter jedes Mal verdoppelt, sagt einer der zwei, nur die alten Sofas haben sie mitgeschleppt. 70er- Jahre-Retro, das sei schon immer ihr Stil gewesen. Dass es irgendwann Trend wurde, da können sie auch nichts dafür. Sie sind trotzdem dabei geblieben. Neu wollten sie sowieso nie sein. „Neue Berliner Initiative“, der Name sei damals ein Scherz gewesen, weil in den 90er Jahren jeder eine neue Initiative, Schule, einen Kreis oder Verein oder was auch immer gegründet hat. Da waren sie schon lange da. Ha! Die zwei vom Nbi sind Urberliner und damit raus aus dem Schneider. Verstanden.

An diesem Abend geht es lässig zu. Raus, rein, ein bisschen tanzen, ein bisschen gucken, ein bisschen kickern und am Ende noch an der Tür verquatschen. Später komme noch ein Fotograf von einer anderen Zeitung, sagt der Junge an der Kasse, der bringt seinen Sohn mit, der wird heute zwanzig. Und feiert mit seinen Eltern? Da steht man doch drüber, sagt der Kassenjunge, irgendwann ist es sogar ganz cool, mit den Alten auszugehen. Zwanzig ist auch nicht schlecht. Johanna Lühr

Nbi, Schönhauser Allee 36, heute Abend 10 Jahre NBI u.a. mit T.Raumschmiere, Kate Boss und Räuberhöhle, ab 22 Uhr, Eintritt 5 Euro.

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