PARTY Gänger : Roses

Johanna Lühr

Einen Club kuschelig zu nennen, mag auf den ersten Blick kein Kompliment sein. In diesem Fall schon. Das „Roses“ ist der plüschigste, kitschigste und uncoolste Laden, den man sich vorstellen kann, und dabei absolut herrlich. Seit 15 Jahren gibt es das Roses in Kreuzberg in der Oranienstraße. Von außen sieht es mit seinen schwarzen Kacheln und verdunkelten Fenstern nicht gerade einladend aus. Innen drin ist es schockierend. Die Wände und die Decke sind vollständig mit Kunstfell ausgekleidet. Bunte Lichterketten und Leuchter färben sie in rot-pinkes Licht, überall hängen furchtbare Kunstwerke im Goldrahmen. Es ist, als sei die Zeit stehen geblieben und habe hier jeglichen Trash der letzten Jahre aufbewahrt. Besitzer Rene bringt von jeder Reise eine neue Scheußlichkeit mit.

Gabriella ist die Barfrau – und was für eine. Seit 13 Jahren arbeitet sie hier. Oder mit ihren Worten: Sie dirigiert. „Das ist mein Orchester, ich bin der Dirigent, es gibt die Instrumente um den Tresen herum und dann noch die Zuschauer, die sich alles angucken.“ Klar ist jedenfalls, wer das Tempo bestimmt. Wer einen Drink bekommt, wie man sich benimmt und wer hier arbeiten darf („Ich stelle nicht ein, ich entdecke“). Gabriella sagt: Hier wird nicht gejammert, hier wird Party gemacht. Auch wenn man Quentin Tarantino heißt, der im Roses diesen Sommer artig auf seinen Drink wartete und, so Gabriella, ausdauernd an einer Blondine „herumschraubte“. Wer hier an wem „herumschraubt“, ist nicht immer eindeutig. Das Roses ist ein schwul-lesbischer-hetero Laden. Mit einem Wort: gemischt. Mit einem anderen: Berlin. Hier tanzen Kiezbewohner und Lonely-Planet-Touristen, Easy-Jet- Wochenendler und Hollywoodstars. Und Fag-Hags, das sind Hetero-Frauen, die ausschließlich mit ihren schwulen Freunden ausgehen. Auf wundersame Weise klappt das mit der Toleranz hier ganz von selbst. Und gibt es doch mal Probleme, genügt ein Blick von Gabriella und es ist Ruhe im Karton. Johanna Lühr

Roses, Oranienstr. 187, tägl. ab 21 Uhr

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