Prenzlauer Berg : Konnopkes Imbiss wird luftdicht verpackt

Im Sommer macht Berlins wichtigste Wurstbude zu. Die BVG will das Viadukt der U2 an der Eberswalder Straße sandstrahlen, und dann steht der Imbiss im Weg. Verrücken geht nicht.

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Berühmt. Waltraud Ziervogels (r.) Brutzelbude unter der Hochbahn.Foto: Klaas

Dreimal stand Jayson Harris aus London vor verrammeltem Tresen, jetzt endlich steht eine Pappe Currywurst-Pommes vor ihm. Pergamon-Museum, Sanssouci, Brandenburg Gate, alles kein Problem, aber „Konnopke’s Imbiß“, dieser Hotspot des Berlin-Tourismus, macht sonntags einfach dicht und nach 20 Uhr auch. Zur Belohnung seiner Zähigkeit gönnt sich Harris gleich noch eine zweite Portion. Nicht auszudenken, was passiert, wenn der bekannteste Imbiss Berlins mal ganz dichtmacht.

Das wird im nächsten Sommer zu beobachten sein. Die BVG will das Viadukt der U 2 an der Eberswalder Straße sandstrahlen, und dann steht der Imbiss im Weg. Verrücken geht nicht. Konnopke ist keine berlintypische Bude auf Rädern, eher ein rötlich schimmernder Aluminiumschrank mit geheimnisvoll sicherheitsverschlossenen Türen auf der Rückseite. Wie zu lesen ist, soll der Aluschrank sogar unterkellert sein. Besitzerin Waltraud Ziervogel würde ihren Imbiss am liebsten einrüsten und darunter weiter Würste brutzeln.

Völlig ausgeschlossen, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Beim Sandstrahlen würden Farbpartikel frei, „das ist hochgradig toxisch“, also müsse alles luftdicht eingehaust werden, das gesamte Viadukt und der Imbiss nochmal extra. „Da kommt keiner mehr ran. Die Sicherung des Imbisses kostet allein 70 000 Euro.“ Einen Monat soll alles dauern. Für die Umsatzeinbußen könnte Ziervogel Entschädigung beim Senat beantragen.

Die Stammkunden ahnen noch nicht, was auf sie zukommt. Ein Lehrer aus Sachsen-Anhalt tunkt seine Wurststippe in den Konnopke-Spezialketchup und sinnt darüber nach, warum es früher, als der Imbiss noch in der DDR stand, nie Versorgungsengpässe gab. Jedes mal, wenn er in Berlin ist, geht er zu Konnopke. In Gardelegen, wo er unterrichtet, haben sie keinen Imbiss, der in internationalen Reiseführern gepriesen wird, eigene Postkarten vertreibt und sogar eine Internetseite unterhält.

Mittags stehen sie fast immer Schlange, doch die Ausgabe der meistgefragten Currywurst-Pommes-Kombi für 3,30 Euro funktioniert reibungslos. Eine Dame bedient Friteuse und Grill, eine zweite dekoriert rot-weiß, die dritte kommuniziert, wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Kein Schild weist auf die drohende Sommerschließung hin.

Am 19. Januar will sich Stadtrat Kirchner mit Besitzerin Ziervogel an einen Tisch setzen. Er hat da nämlich eine Idee. Konnopke sollte vielleicht doch wegrücken, 25 Meter nach Norden. Dafür könnte man die 70 000 Euro doch viel sinnvoller ausgeben. „Der Imbiss ist ohnehin renovierungsbedürftig, der stammt noch aus den 70er Jahren.“ Nach der Viaduktsanierung werde sich auch die Wegführung für die Fußgänger ändern. Stadtrat Kirchner: „Die Kreuzung wird umgebaut, die Leute gehen dann direkt über die Straße“ und nicht mehr über den Umweg bei Konnopke. Kirchner ist sich der Herausforderung wohlbewusst. Es gelte, die „Zukunft der weltweit bekannten Institution Konnopke zu sichern“.Thomas Loy

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