Promiauflauf : Den Krebs mit Glanz bekämpfen

Der Dreamball mit seinen prominenten Gästen will die Krankheit aus der Tabuzone holen. Model Sylvie van der Vaart, die im Frühjahr selbst erkrankte, war Donnerstabend Schirmherrin.

Elisabeth Binder
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Engagierte Lächlerin. Moderatorin Sylvie van der Vaart. Foto: ddpddp

Sie sind jung, attraktiv und teilen ein schweres Schicksal: Krebs. Für moderne Frauen ist das kein Grund mehr, sich zu verstecken, im Gegenteil. Zum Dreamball im Ritz Carlton kamen gestern Abend gleich mehrere Betroffene: Die 34-jährige Moderatorin Miriam Pielhau war auch im vergangenen Jahr schon unmittelbar nach ihrer Chemotherapie zu Gast bei diesem Ball, der helfen soll, das Thema Krebs aus der Tabuzone zu holen. Die 26-jährige Autorin Sophie van der Stap, die ihre Krankheit in einem Bestseller geschildert hat, wurde im letzten Jahr zur Dreamlady gekürt.

Die ebenfalls betroffene Gynäkologin Pia Baust war dazu in diesem Jahr ausersehen, in dem erstmals die Verleihung eines Douglas-Hoffnungsträgerpreises ins Programm genommen wurde. Und die Schirmherrin des Balls, Sylvie van der Vaart, hat in diesem Sommer der Öffentlichkeit gezeigt, wie man vorbildlich mit dem Schicksalsschlag Brustkrebs umgehen kann. Dabei hatte die 31-Jährige das Glück, von ihrem Ehemann, dem Fußballspieler Rafael van der Vaart, in beispielhafter Weise unterstützt zu werden. Dass dies nicht selbstverständlich ist, haben Auftritte von Frauen bei früheren Bällen gezeigt, die in der schrecklichen Krankheit auch noch von ihren Männern verlassen wurden. Sylvie van der Vaart hat im Zusammenhang mit Brustkrebs nicht nur öffentlich über ihre Angst gesprochen, sondern auch darüber, dass ihr Mann sie getröstet und zu Arztterminen begleitet hat. Dass er sie zum Lachen gebracht hat und auch mal mit ihr geweint hat. Jetzt wünscht sich das Model ein zweites Kind.

Gastgeber des von Barbara Schöneberger moderierten Dreamballs, zu dem unter rund 300 Gästen auch die britische Filmlegende Sir Christopher Lee mit Frau Gitte, Designerin Jette Joop , Musikproduzent Jack White, Sängerin Sarah Connor, Model Franziska Knuppe oder Knef-Witwer Paul von Schell erschienen, sind Claudia Rutt von der gemeinnützigen Gesellschaft DKMS Life und Reiner Unkel vom Parfümerieunternehmen Douglas. Unter dem Motto „Träume machen Mut“ wird auch Geld aufgebracht, um Kosmetikkurse für erkrankte Frauen zu finanzieren.

In diesem Jahr konnten schon mehr als 70 000 erkrankte Frauen an über 950 Kosmetikkursen teilnehmen. Jährlich erkranken etwa 200 000 Frauen in Deutschland an Krebs. Viele leiden besonders an den Folgen der Chemotherapie, dem Verlust von Haaren, Wimpern und Augenbrauen. In den Kursen lernen sie neue Kosmetiktechniken, um das geschickt zu kaschieren, und finden auch dadurch den Lebensmut wieder.

Das Lied „I will survive“ könnte eine heimliche Hymne für diese Frauen sein, und es wurde in der Vergangenheit schon öfter gespielt bei diesem Ball. Diesmal hatten die Gastgeber Popstar Gloria Gaynor als Stargast geladen. Ihr Auftritt war für Mitternacht angekündigt. Seit über 30 Jahren ist ihr Hit eine musikalische Fanfare für Überlebenswillen.

„Unser Engagement kann wegen der Krise nicht aufhören“, sagte Claudia Rutt. „Der Krebs hört in der Krise ja auch nicht auf.“ Die Frauenärztin Pia Baust gab zu, dass sie die Diagnose Brustkrebs wie ein Schlag getroffen habe, dass sie plötzlich selber brauchte, was sie sonst ihren Patientinnen zu geben versuchte: Mut und Kraft. Sie sei dankbar, dass sie den äußeren Teil der Erkrankung mithilfe der Kosmetikexperten bekämpfen konnte und so ein großes Stück Selbstwertgefühl und Kraft für den Weg zurück zu Mann und Tochter und in ihre Praxis bekommen habe. Die Seminare sind für die Patientinnen kostenfrei und werden von großen Kosmetikunternehmen mitfinanziert.

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