RAF-Film : Großes Kino vor der Oper

An der Bismarckstraße wird zurzeit für den Film "Der Baader Meinhof Komplex“ gedreht – mit hunderten Statisten und strengen Sicherheitsleuten. Viele Zuschauer fühlen sich an ihre Jugend erinnert.

Nana Heymann
RAF
RAF-Film: In Berlin wird zurzeit an Originalschauplätzen für die Verfilmung des Buches "Der Baader Meinhof Komplex“ gedreht – mit...Foto: Wolff

Die Tücken moderner Technik offenbaren sich mitunter in ungünstigen Momenten. Freitagmittag am Filmset vor der Deutschen Oper ist so ein Moment. Gerade hat der Regisseur die letzten Anweisungen für die vielen Schauspieler und Statisten gegeben, die Klappe für die nächste Szene fällt – da geht in einer Seitenstraße die Alarmanlage eines Autos an. Gut zwei Minuten tutet das Ding und sorgt beim Drehteam für Aufregung. Gelächter bei den Schaulustigen, die sich an den Absperrgittern eingefunden haben.

Am Dienstag ist die erste Klappe zum RAF-Film „Der Baader Meinhof Komplex“ gefallen, das Buch dazu stammt von Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust. An verschiedenen Orten in Berlin dreht das Team um Regisseur Uli Edel und die beiden Hauptdarsteller Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu, zurzeit vor der Deutschen Oper. Dort wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg beim Besuch des persischen Schahs erschossen. Der Vorfall war der Beginn der West-Berliner Studentenbewegung, etliche Anhänger radikalisierten sich später und gründeten die RAF. Filmproduzent Bernd Eichinger lässt die historischen Ereignisse nun fürs Kino rekonstruieren, zu sehen ist das im Herbst nächsten Jahres.

Wegen der Dreharbeiten ist die Bismarckstraße am Freitag seit den frühen Morgenstunden zwischen Wilmersdorfer Straße und Leibnizstraße gesperrt, auch die Nebenstraßen müssen bis einschließlich Sonntagnacht für die vielen Transporter mit Technik, Garderobe und Catering freigehalten werden. Ab halb acht finden sich die ersten Darsteller und Komparsen am Set ein, bis zum Mittag sind es mehrere hundert Menschen. Blau uniformierte Schutzpolizisten bevölkern die Straße ebenso wie Mädchen in schwingenden Faltenröcken oder Jungs mit ausgestellten Hosen. „Die sehen ja richtig toll aus in ihren Kostümen“, bemerkt eine Passantin. Sie will zum privaten Schnappschuss ansetzen, als ein Sicherheitsmann mit ernstem Blick an sie herantritt: Fotografieren ist verboten.

Sich an seine Jugend zu erinnern, ist jedoch erlaubt. „Jaja, so hat es hier damals wirklich ausgesehen, aber insgesamt waren noch viel mehr Menschen hier“, sagt ein älterer Herr mit Schnäuzer. Den Abend des 2. Juni 1967 erlebte er zufällig – als Passant. Heute wohnt der Rentner in einem der Hochhäuser gegenüber der Oper und will bei den Dreharbeiten „nur mal kurz zuschauen“.

Zuschauen will auch Uwe Soukup. Der Autor veröffentlichte das Buch „Wie starb Benno Ohnesorg?“, für das er vier Jahre lang recherchierte; das Drehteam zog das Werk nun ebenfalls zu Rate. Er wolle dabei sein, „weil es mich persönlich interessiert“, sagt Soukup. Die Kulisse sei sehr liebevoll gemacht, auch wenn sonst nicht alles haargenau den historischen Tatsachen entspricht. So hätten die sogenannten Jubelperser, die den Schah empfangen sollten, nicht direkt vor der Oper gestanden, sondern an der Ecke zur Krummen Straße. Und auch der Mercedes der iranischen Staatsgäste hielt nicht wie jetzt auf der Straße, sondern fuhr direkt auf den Gehweg. Diese kleinen Ungenauigkeiten nimmt Soukup gelassen hin: „Man konnte das filmisch wohl nicht besser darstellen.“

Anders verhält es sich mit der Szene, in der sich protestierende Studenten Papiertüten mit aufgemalten Karikaturen des Schahs über den Kopf zogen und an der Oper vorbeifuhren: Das passierte wirklich so, dahinter steckten die Bewohner der Kommune 1. Und auch die Fahrzeuge waren vor 40 Jahren tatsächlich im Einsatz – die schnittigen BMW-Motorräder ebenso wie die blauen Opel-Transporter und die alten VW-Käfer. Mit empfindlichen Alarmanlagen waren sie nicht ausgestattet, trotzdem haben sie ihre eigenen Macken: Kurz bevor eine Klappe fällt, springt der alte Mercedes nur mit Mühe an. Und auch ein als Polizist verkleideter Statist muss bei seinem Motorrad mehrmals auf den Anlasser treten, bevor es laut losknattert. Die Technik, egal ob alt oder neu, nimmt eben keine Rücksicht auf einen engen Drehplan.

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