Stadtleben : Riesenschlange vor den Dinos

Tausende kamen zum Tagesspiegel-Tag bei Saurier & Co. Zu sehen gab es jede Menge – nicht nur Skelette und Fossilien

Hannes Heine

Wie bitte?! 17 Millionen Euro Versicherungssumme? Karin Probst ist tief beeindruckt. Nur 30 Zentimeter ist der Urvogels Archaeopteryx im Naturkundemuseum groß, dennoch ist es eines der wertvollsten Fossile der Welt. „Man lernt eben nicht aus“, sagt Probst nach einer Weile und schlendert weiter durch die Gänge des Naturkundemuseums. Das letzte Mal war sie hier, als die Mauer gefallen ist – „viel zu lange her!“ Gestern nun kommt sie mit der ganzen Familie – Mann, Tochter, Enkel – gratis in das traditionsreiche Museum in der Invalidenstraße in Mitte.

Der Tagesspiegel hatte seine Leser eingeladen, ein Coupon aus der vorigen Sonntagsausgabe ermöglichte ihnen den freien Eintritt. Anlass war die gestern erschiene 20 000. Ausgabe dieser Zeitung. Tausende Leser kamen, schon morgens um 9 Uhr standen die ersten Schlange: Zur Eröffnung eine halbe Stunde später drängelten sich die wartenden Besucher bis auf den Bürgersteig.

Publikumslieblinge waren gestern zwei Objekte die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Leserin Karin Probst – 71 Jahre alt, ehemalige Kindergärtnerin aus Wilmersdorf – bestaunt vor allem das größte vollständige Saurierskelett der Welt: Brachiosaurus brancai, 16 Meter lang, tonnenschwer und staubtrocken. Ihr Enkel Max – elf Jahre alt, Grundschüler aus Schöneberg – findet hingegen am einzig lebenden Ausstellungsstück Gefallen: südamerikanischer Lungenfisch, 50 Zentimeter lang, schwer wie eine Bockwurst und glitsichig. Und weil sich die tausenden ausgestopften Tiere in den hohen Hallen des Hauses ebenfalls nicht bewegen, rührt sich auch der Lungenfisch den ganzen Vormittag über kaum vom Fleck. In der Mitte seines Aquariums macht er es sich bequem, Max Probsts Versuche, ihn durch Klopfen aus der Ruhe zu bringen, scheitern. Die Gattung der Lungenfische hat schließlich schon 400 Millionen Jahre überlebt. Unter Zoologen gelten die subtropischen Tiere als lebende Fossilien.

Bis 22 Uhr durften Tagesspiegel-Leser zusammen mit einem weiteren Erwachsenen und drei Kindern kostenlos durch alle Ausstellungen des Naturkundemuseums bummeln, das mit seinen mehr als 30 Millionen Sammlungsobjekten und 6600 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu den fünf größten seiner Art weltweit gehört. Am Tagesspiegel-Tag waren natürlich auch die 2007 eröffneten Säle zum Thema „Evolution in Aktion“ zu sehen, die international ausgezeichnet worden sind. „Die Besucher erfahren in diesen Räumen, welches Bild sich Kosmologen, Geologen und Biologen von der Entwicklung unseres Planeten machen“, erklärten Museumsmitarbeiter. Karin Probst hört geduldig zu. Enkel Max eher nicht. Während der Junge weiterhin den Lungenfisch aufschrecken möchte, steht seine Großmutter bald konzentriert vor einer „Biodiversitätswand“. Dort sind ausgestorbene Tierarten zu sehen, denen solche folgen, die erst in unseren Tagen entdeckt worden sind. Deutlich wird: Evolution ist ein anhaltender Prozess. Später zieht es Großmutter und Enkel in die Sonderausstellung „abgetaucht“. Auf einer Leinwand nehmen sie an einer virtuellen Fahrt mit einem Glasbodenboot über das Rote Meer teil. Max will doch lieber zurück zum echten Lungenfisch.

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