Sandsation : Skulpturen mit Botschaft

Der Inder Sudarsan Pattnaik hat zum fünften Mal den Publikumspreis bei Sandsation gewonnen. Ein Porträt.

Alina Stiegler
Beim Sandskulpturen-Wettbewerb "Sandsation" hat der Inder Sudarsan Pattnaik zum fünften Mal nacheinander den Publikumspreis gewonnen.Alle Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
30.07.2010 18:17Beim Sandskulpturen-Wettbewerb "Sandsation" hat der Inder Sudarsan Pattnaik zum fünften Mal nacheinander den Publikumspreis...

Früher baute er kleine Sandschlösser am Strand. Mehr als 20 Jahre später steht Sudarsan Pattnaik, der Junge von Puri Beach, im Anzug vor seiner jüngsten Sandkreation. Bei Sandsation erhält der 33-jährige Inder heute zum fünften Mal den Publikumspreis.

Pattnaik stammt aus einfachen Verhältnissen, die Schule konnte er nur kurz besuchen, so verbrachte er viel Zeit am Strand seiner Heimatstadt Puri. Aus den kindlichen Versuchen wurden im Laufe der Zeit Kunstwerke. „Damals hatte ich kein Geld, um meine Kunst zu fotografieren, sie festzuhalten“, sagt Pattnaik. Für den Künstler sehr wichtig, seine Skulpturen sind schließlich vergänglich: In Puri Beach nahm das Meer sie über Nacht immer wieder zu sich. Er könnte Skulpturen auch aus anderen Materialien schaffen, doch die Eigenschaft von Sand fasziniert Pattnaik: „Alles ist vergänglich. Die Menschen interessieren sich für die Skulpturen, gerade weil sie vergänglich sind.“

Vor allem am Strand berühre es die Herzen, „weil das Wasser so nah ist.“ Mit Sandskulpturen konnte man in Indien damals nichts anfangen, Pattnaik hat sie dort erst bekannt gemacht. Schon 1995 eröffnete er ein eigenes Institut, in dem man die Kunst des Sandformens erlernen kann. Heute kommen seine Schüler aus der ganzen Welt, auch aus Deutschland. Und Pattnaik bekam die Chance, als Künstler ins Ausland zu gehen. Mit Berlin verbindet ihn sehr viel. Nachdem er das erste Mal an dem Wettbewerb teilgenommen hatte, lud ihn der damalige indische Präsident zu sich ein, ihn „den einst armen Jungen“.

Mit seiner Kunst wurde er in Indien berühmt und kann heute seine Familie unterstützen. Das ist aber nicht alles für Pattnaik: „Man muss als Künstler etwas für die Gesellschaft machen, nicht für sich selbst.“ Er hat dabei mitgeholfen, Sand als eine neue Kunstform zu etablieren – und gab ihr eine Bedeutung. „Mit meinen Skulpturen möchte ich soziales Bewusstsein schaffen“, sagt Pattnaik, „für meine Motive wähle ich immer aktuelle Themen.“ Nach den Anschlägen in Bombay formte er ein Werk mit der Aufschrift „Stoppt Terrorismus“, auch die weltweite Trauer über Michael Jacksons Tod schlug sich an seinem Strand nieder und zieht auch internationale Medien an. Ein immer wiederkehrendes Thema ist der Klimawandel. 2008 modellierte er in Berlin das Abbild des Eisbären Knut, den er sagen ließ: „Rettet meine Familie“.

Sein diesjähriges Werk bei Sandsation zeigt eine Erdkugel, darüber ein weinender Baumstamm, davor die drei Affen, die nichts sehen, hören und sagen. Der Zuspruch des Publikums freut ihn besonders: „Die beste Jury sind immer die Menschen.“ Und die möchte er zum Denken und Handeln anregen. Heute und morgen bietet Pattnaik den Besuchern von Sandsation kostenfreie Workshops an. Ob Klein oder Groß spielt keine Rolle, „Kunst ist für jeden da, das Alter sagt nichts aus“.

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