Schwimmbäder : Auf zu neuen Ufern

Wenn die Sonne mit sich selbst um die Wette strahlt und die Temperaturen steigen und steigen, drängt es alle zum Wasser. Wie gut, dann in einer Stadt wie Berlin mit ihren vielen Bädern zu leben, die in diesen Tagen ihre Tore öffnen.

Solveig Rathenow
272933_0_059da4f7.jpg

Der Winter war endlos, doch plötzlich, ohne den üblichen Umweg über den Frühling, so scheint es, ist der Sommer in die Stadt eingekehrt. In früheren Jahren löste es bei vielen nur Achselzucken oder wehmütiges Seufzen aus, wenn die Öffnung der ersten Sommer- und Freibäder zum 1. Mai angekündigt wurde oder erste Bilder von den Strandkörben des traditionell schon vorher zugänglichen Strandbades Wannsee durch die Medien geisterten. Jetzt dagegen, bei äußerst erfreulichen Temperaturen, kann es manch einer kaum erwarten, den ersten Sprung der Saison ins kühlende Nass zu absolvieren. Hier also der für den Frühsommer obligatorische Überblick über die hiesige Wasserlandschaft, eine Auswahl der Möglichkeiten fürs individuelle Schwimmvergnügen, egal, ob im See oder im Becken, mit Strand oder mit Wiese:


FÜR FAMILIEN
Sie zieht es besonders gern ins Kinderbad Monbijou. In Spreenähe, gegenüber der Museumsinsel, können die Größeren im Kinderbecken ihre ersten Schwimmkenntnisse erproben, während die Kleineren im Babybecken planschen. Etwas wilder geht es im Sommerbad Pankow zu, wo man sich von Wasserkanonen beschießen oder im Strömungskanal mitziehen lassen kann.

FÜR PURISTEN 
Soll nicht Spiel, sondern Sport im Mittelpunkt stehen, ist ein Besuch im Sommerbad am Olympiastadion unabdingbar. Im 50-Meter-Becken kann man sich ganz aufs Training konzentrieren, als Abwechslung empfiehlt sich ein bisschen Aquafitness im Tiefwasser.

FÜR RUHEBEDÜRFTIGE
Das Sommerbad Wuhlheide ist das kleinste der Berliner Sommerbäder. Erst im vergangenen Sommer wiedereröffnet, bietet es Ruhebedürftigen einen Platz zum Abschalten ohne Schnickschnack. Ebenfalls für seine entspannte Atmosphäre berühmt ist das Sommerbad Lichterfelde, im Volksmund lieber „Spucki“ genannt. Die kleine Badeanstalt, nur eine „Spuckweite“ vom Teltowkanal entfernt, liegt eingebettet in eine blühende Gartenlandschaft.

FÜR GESELLIGE
In Ruhe den Tag verdämmern? Doch nicht im Prinzenbad. Hier pulsiert das quirlige Kreuzberger Leben besonders schnell, längst ist das Areal selbst zu einer Art Filmstar geworden, in dem Erfolgsstreifen „Prinzessinnenbad“. Ein Zentrum der Schwimmbadplaudereien ist dabei der Kiosk, auf deren Betreiber Dagmar Keuenhof und Matthias Kutscha sich die Wassermänner und -nixen verlassen können. Vorgezogene Feierabende gibt es bei den beiden nicht. Bei Bier oder Kaffee lässt es sich auf der Terrasse des Imbisses genau so gut klönen wie auf den Stufen am Sportbecken.

FÜR UNTERNEHMUNGSLUSTIGE

Action statt Quatschen ist im Sommerbad Neukölln angesagt. Das Bad verfügt über die längste Wasserrutsche Berlins, auf 83 Metern sausen Groß und Klein hinunter. Austoben kann man sich auch im Sommerbad Wilmersdorf, wo der perfekte Sprung an Land auf der Trampolinanlage geübt werden kann, bevor es auf den 10-Meter-Turm geht. Das Kreischen der Bikinimädchen zeigt, ob die Vorstellung auch wagemutig genug war.

FÜR NATURLIEBHABER
Bei solchen Abenteuern geht das Zwitschern der Vögel leicht im Lärm unter. Wer beim Baden ihrem Gesang lauschen will, flüchtet ins Freibad Tegel. Abgeschieden im Tegeler Forst gelegen, müssen Besucher den Weg erst einmal finden. Auch beim Schwimmen bleibt die Sicht grün: Das dicht bewachsene Ufer rund um den See und die bewaldeten Inseln Lindwerder, Hasselwerder und Scharfenberg schaffen ein Paradies für Wasservögel. Auch am Plötzensee genügen einige Schwimmzüge, und man lässt den Trubel am Ufer zurück und gleitet hinaus in den See, dem Schatten der Bäume am anderen Ufer entgegen. Manch einer erinnert sich dann vielleicht, dass im Jahre 1906 von der Militärschwimmanstalt Plötzensee aus die Soldaten marschiert kamen, die der Hauptmann von Köpenick für sein Husarenstück abkommandierte. Oder er entsinnt sich der Schwimmbadszenen im Oscar-Erfolg „Der Vorleser“: Denn die Verfilmung des Schlink-Romans wurde hier gedreht.

FÜR KÖRPERBETONTE
Die eigene Natur ausleben, statt nur Enten zu beobachten, das geht am besten im Strandbad Wannsee. Nudisten schwören auf den großen FKK-Bereich des Traditionsbades, doch bieten auch andere Bäder von Textilien unbeschwertes Vergnügen.

Alles zu Schwimmbädern in Berlin unter www.tagesspiegel.de/baeder

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben