Sicherheit : Waldbühne: Glasverbot bei Streisand

Neue Regelungswut: Ämter verhindern das Picknicken.

Elisabeth Binder

Mit spitzen Fingern zieht der Ordner am Eingang des Olympiastadions ein Fläschchen „Pleasures“ aus der durchsuchten Handtasche. „Das lassen Sie beim nächsten Mal aber bitte zu Hause, eigentlich darf das nicht mit rein“, sagt er zu der verblüfften Besitzerin, die eigentlich nur ins Grönemeyer-Konzert wollte. Was an dem Parfüm denn so anstößig ist, will die den ganz wilden Jahren sichtlich schon etwas entwachsene Frau wissen. „Nun, das ist ein gefährliches Wurfgeschoss.“

So kann man es auch sehen.

Die Kombination von Sommerwärme und Freiluftmusik treibt alljährlich die Regelungswut der Bürokraten zu neuen Rekorden an. Lediglich das kultige Konzert der Philharmoniker bleibt noch weitgehend unangetastet von der Vorschriftenattacke. Wer für die am Sonntag stattfindende, ausverkaufte „Rhapsodie“ Karten besitzt, darf sogar einen kleinen Picknickkorb mitbringen. Achtung, Lineal nicht vergessen. Die maximale Höhe des Korbes beträgt 37 Zentimeter.

Viel strenger geht es zu, wenn Lang Lang (23.6.) und Barbra Streisand (30.6.) auftreten. Glas darf grundsätzlich nicht mitgebracht werden. Eigene Getränke sind nur in Plastikflaschen bis zu einer Größe von 0,5 l zugelassen. Diskret in Stoffbeuteln verstaute Stullen und Bouletten werden toleriert. Die Empfehlung geht Richtung Geldausgeben. Neben dem Erwerb von Drinks und Snacks für zwei bis sechs Euro, besteht die Möglichkeit, Picknickkörbe des Hotels Brandenburger Hof vorab zu bestellen (Tel. 21405620). Sie kosten zwischen 54 und 98 Euro, in der alkoholfreien Variante 28 Euro. Für 54 Euro bekommt man unter anderem edlen Käse, Aprikosenbrot und Spätburgunder, der in diesen Nächten am Kaiserstuhl eigens für die Waldbühne in 0,5-Liter-Plastikflaschen abgefüllt wird und sich darin 14 Tage hält. Der Direktor des Brandenburger Hofs ist zu höflich, um sich zu einem Kommentar über den Sinn dieser Vorschrift hinreißen zu lassen.

Fest steht: Ersonnen werden diese Regelungen von Mitarbeitern der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Achtung: Von Parfümfläschchen kann man überall getroffen werden. Wann werden sie endlich ganz verboten? Von Elisabeth Binder

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