Stadtleben : Sichtlich bewegt

Das Neue Museum ist wieder da. Nach den Tagen der offenen Tür nimmt es Sasha Waltz kurz in Besitz

Matthias Oloew
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Bestaunte Arbeit. Hälse recken und nach oben schauen ist das Motto des Eröffnungswochenendes im Neuen Museum. Foto: Mike Wolff

Überall ist Bewegung. In der großen Treppenhalle sowieso, wo Architekt David Chipperfield, erleichtert strahlend, einen Besuchertross durch die neuen, alten Räume führt. Aber zum Beispiel auch im Niobidensaal, wo die ersten Besucher staunend die Leistung der Restauratoren bewundern und sich gegenseitig – auch ein bisschen innerlich bewegt – den Sinnspruch über dem Türsturz an der Südwand vorlesen: „Staunliches waltet viel und doch nichts Erstaunlicheres als der Mensch.“ Es gab am gestrigen Donnerstag im Neuen Museum viele Momente, um das nachzuspüren, was Preußenstiftungspräsident Hermann Parzinger zu Beginn der Schlüsselübergabefeier sagte: „Wir sind glücklich über diesen Tag.“

Bewegung auch eine Tür weiter, im Nordkuppelsaal. Zwei hochtoupierte Tänzerinnen drehen ihre Runden an der Stelle, die im Herbst die Büste der Königin Nofretete einnehmen wird. Sasha Waltz steht sichtlich zufrieden am Rand und beobachtet die Reaktionen der Zuschauer. Die Besichtigung des fertiggestellten Museums durch eine eingeladene Besucherschaft nutzt ihre Compagnie, um sich noch ein bisschen vorzubereiten und gleichzeitig Werbung zu machen für das, was sie plant: das Neue Museum tänzerisch wieder in Besitz zu nehmen. Vom 18. bis 30. März tanzen Sasha Waltz und ihre Gäste durch die Räume (Karten telefonisch unter 288 788 588, dienstags bis sonntags 12 bis 19 Uhr). Es wird eine einmalige Angelegenheit, sagt sie. Denn danach kommt die Kunst zurück. Ab dem 18. Oktober ist dann endlich wieder möglich, was bisher nur zwischen 1930 und 1939 möglich war: alle fünf Häuser der Museumsinsel zu betreten und ihre Sammlungen zu besichtigen.

Bewegung aber auch draußen vor der Tür: Helfer stellen die ersten Hinweisschilder für die Tage der offenen Tür auf, die am heutigen Freitag beginnen. Bis Sonntag können Neugierige das leere Museum auf einem fest abgesteckten Parcours besichtigen, sich architektonische und historische Details erläutern lassen und natürlich auch diskutieren über das, was sie da sehen werden. Die Staatlichen Museen rechnen mit einem Besucheransturm; lange Wartezeiten sind wohl nicht zu vermeiden. Aber das Anstehen ist wohl bei dieser Gelegenheit der einzige Moment, nicht bewegt zu sein.

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