Sommerfest : Empfang beim Schirmherrn

Beim Sommerfest des Bundespräsidenten im Schlosspark Bellevue trafen sich Promis, Politiker und vor allem engagierte Bürger.

Elisabeth Binder

Mit einem ausdrücklichen Dank an alle Lehrer des Landes eröffnete Bundespräsident Horst Köhler das diesjährige Sommerfest im Schlosspark Bellevue, das unter dem Motto Bildung stand. „Lehrer sind die eigentlichen Helden des Alltags“, sagte er am Freitagabend vor 4000 Gästen. „Wir sehen, was sie tun, wir danken dafür und wir wollen Anerkennung zeigen.“ Er hoffe, sagte der Bundespräsident, der gemeinsam mit seiner Frau Eva Luise auf der Bühne stand, dass die Gäste durch die vielen Projekte, die sich an diesem Abend präsentierten, auch erfahren könnten, wie viel tiefer und weiter das Leben durch Bildung werde. „Ich wünsche mir Bildungsbegeisterung. Dazu können wir alle beitragen.“

Der Rasen in Bellevue war aufgeweicht, viele Damen kamen vorsichtshalber in flachen Schuhen. Doch vor Regen mussten sich die Gäste nicht fürchten, vorab gab es leuchtend blaue Regenschirme mit Bundespräsidenten-Aufdruck. Und selbst ohne hatten die Gäste eine Chance, bis in die Nacht trocken zu bleiben. Etwa 2500 Quadratmeter der Festfläche im Schlosspark waren mit Zelten überdacht. Rund 100 Künstler hatten sich auf Auftritte vorbereitet und 40 Köche traten an, um die Gäste stilvoll zu sättigen. Immerhin galt es, rund 21 000 Teller und 23 000 Gläser zu füllen. Unter anderem standen 7500 Portionen Eiscreme und eine Tonne Obst bereit.

Längst nicht alle Unternehmen und Projekte, die ihr Engagement zum Thema Bildung an diesem Abend gern im Schlossgarten präsentiert hätten, konnten tatsächlich dabei sein. Ministerialdirigent Christian Nachtwey bedauerte das: „Leider kann man nie alles berücksichtigen, es stellt schon eine Auszeichnung dar, wenn man sich hier präsentieren kann.“ Anne von Fallois, die im Bundespräsidialamt für Bildung zuständig ist, erzählte, dass viele der ehrenamtlich engagierten Gäste von den Bundesländern vorgeschlagen wurden oder aus Bildungseinrichtungen kamen, die Bundespräsident Horst Köhler im Laufe seiner ersten Amtszeit besucht hat.

Ganz gerecht geht es auch bei der Würdigung der Gäste durch die Fotografen nie zu. Natürlich sind die Künstler des Abends wie Wolfgang Niedecken und Bap, Leslie Malton oder der Geiger David Garrett begehrte Motive. Auch Moderatorin Susanne Kronzucker und erwartete Gäste wie Kochkünstler Alfred Biolek, Regisseur Christoph Schlingensief und Ballettstar Vladimir Malakhov konnten sich auf Blitzlichter und Zurufe der Fotografen freuen. Nach dem Wunsch des Bundespräsidenten sollen aber eigentlich die ehrenamtlich engagierten Bürger im Mittelpunkt stehen. In den Gesprächen tun sie das vielfach auch.

Einen vergleichsweise dezenten Auftritt hatte Hape Kerkeling, um den Hals eine Art Orden mit der Aufschrift: „Kinderreporter – darf wählen“, stellte er sich kurz den Fotografen, trat dann ganz unbehelligt und unauffällig auf den Schlossrasen und seufzte: „Is det schön hier.“ Noch 1991 hatte Kerkeling, als Königin Beatrix verkleidet, versucht, das Schloss zu betreten. Wolfgang Teske, damals wie heute Mitarbeiter im Bundespräsidialamt, erinnert sich noch, dass der Komiker in einem Mercedes Pullman mit niederländischem Stander kam. Kurz nach dem Fall der Mauer gab es damals noch keine große Routine mit Staatsbesuchen im Schloss Bellevue, und die jungen Grenzschützer hätten den Komiker schlicht nicht erkannt. „Da stimmt was nicht“, dachte Teske, als die Limousine vorfuhr. Und dann: „Das ist doch der Kerkeling!“ Zusammen mit den Fotografen stürzte er von einem Nebeneingang vor das Schloss, legte den Arm um den Komiker, schob ihn zurück ins Auto mit dem unmissverständlichen Hinweis: „Das beenden wir jetzt aber bitte sofort. Raus jetzt.“ Unmittelbar danach fuhr die richtige Limousine mit der niederländischen Königin und dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vor. Dass Hape Kerkeling nun selbst hier gesellschaftsfähig ist, zeigt auch, dass selbst im höchsten Amt Deutschlands Humor einen Platz hat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben