SONNTAGS um zehn : Der Rosenkavalier

Zu Besuch beim Muttertagsgottesdienst in Schönholz.

Benjamin Lassiwe

Ein Kleinbus mit der Aufschrift „Willkommen in der Kirche“ parkte vor der Evangeliums-Kirche am Hausotterplatz in Schönholz. Und noch bevor der Gottesdienst begann, ging Pfarrer Björn-Christoph Sellin durch die Reihen der mit einem bunten Regenbogen hinter dem Altar geschmückten, 1956 eingeweihten Neubaukirche und begrüßte jeden Besucher mit einem freundlichen "Guten Morgen.“ Das war schnell erledigt, denn nur etwa 20 Gemeindeglieder hatten sich am Muttertag in der weitläufigen Kirche eingefunden.

Dabei gibt es in der Gemeinde anscheinend jede Menge Mütter: An der Wand des Kirchenschiffs hängt ein großes Fischernetz, auf dem Dutzende Fotos der in den letzten Jahren getauften Kinder auf kleinen Pappfischchen angebracht wurden. Und schon seit vielen Jahren sei es in der Gemeinde Tradition, auch den Sonntagsgottesdienst am Muttertag den Müttern zu widmen, sagte der Pfarrer, "obwohl das doch eigentlich kein kirchlicher Feiertag ist“. Gemeinsam mit einer Lektorin dachte der Theologe über die Bedeutung des Wortes "Mutter“ nach. Und auch in der Predigt spielten die Mütter die Hauptrolle: Sellin begann mit einem Gedicht, in dem die Dichterin Anette von Droste-Hülshoff ihrer Mutter dankte. Dann aber sprach der Pfarrer über das für den Sonntag vorgegebene Evangelium: "Jesus Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Das gelte für die gestresste Büromitarbeiterin, die ihren Sohn nachmittags aus der Kindertagesstätte abholt und das Gequengel des Kindes beim Einkauf im Supermarkt fürchtet, ebenso wie für die alleinerziehende Kassiererin, deren Kinder schon seit Wochen immer abwechselnd erkranken.

"Mühselig und beladen – das trifft heute auf viele Mütter zu“, sagte der Pfarrer. "Mutter zu sein steht in der Gesellschaft leider nicht sehr hoch im Kurs.“ Doch wie alle Menschen könnten sich auch gestresste Mütter mit ihren Sorgen an den "mütterlichen Jesus“ wenden, "der versprochen hat, immer für uns da zu sein, und bei dem wir ganz in die Rolle des Kindes zurückfallen können.“ Und wie es am Muttertag guter Brauch ist, machte auch die Schönholzer Kirchengemeinde den Müttern zum Abschluss eine kleine Freude: Am Ausgang verteilten der Pfarrer und seine Mitarbeiter gelbe Rosen – an alle Gottesdienstbesucher. Benjamin Lassiwe

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