Strandbars : Mauerfall am Spreeufer

Nirgendwo anders ist das Strandleben so bunt wie in Friedrichshain und Kreuzberg. Nun ist es teilweise bedroht: Die Besitzer eines Grundstücks in der Holzmarktstraße wollen es verkaufen, um dort Bürogebäude zu errichten.

Nana Heymann
Bar 25
Nachtaktiv: Die Bar 25 gehört zur Strandkneipenmeile am Spreeufer in Friedrichshain-Kreuzberg. Diese Saison wird wohl ihre letzte...Foto: David Heerde

Im Sommer ist die Bar 25 an der Holzmarktstraße in Friedrichshain ein beliebter Treffpunkt bei jungen Menschen. Hier kann man entspannt an der Spree sitzen, während über die Boxen Musik läuft und bei schönem Wetter die Sonne auf der Wasseroberfläche glitzert. Allerdings ist der Sommerspaß bedroht: Den Betreibern der Strandbar wurde nun der Mietvertrag gekündigt. Die Spree Urban Entwicklungsgesellschaft mbH, eine Tochtergesellschaft der Berliner Stadtreinigung (BSR), will das Grundstück verkaufen.

„Es war von Anfang an klar, dass es sich um eine befristete Nutzung handelt“, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Das Unternehmen sei „in konkreten Verkaufsverhandlungen mit verschiedenen Investoren“, deshalb wurde den Betreibern der Bar 25 und vier weiteren Zwischennutzern, darunter auch dem White-Trash-Markt, zum 31. Oktober gekündigt. Auf dem Areal sollen Wohn- und Bürogebäude entstehen – als Teil des groß angelegten „Media Spree“-Konzepts.

Für Christoph Klenzendorf, den Betreiber der Bar 25, kommt die Kündigung trotz des Zwischennutzungsvertrags überraschend. „Dass wir das Gelände irgendwann räumen müssen, war uns klar. Aber bislang gibt es noch keinen konkreten Käufer und wann die Bauarbeiten beginnen, steht auch noch nicht fest.“ Deshalb hat er Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt, ebenso wie die Betreiber des benachbarten White-Trash-Markts. Sie befürchten, dass das Gelände nach ihrem Weggang noch für lange Zeit brachliegen wird, „und damit wäre niemandem geholfen“, sagt Klenzendorf. Für ihn geht es nicht zuletzt um den Erhalt von fast 50 Arbeitsplätzen. Seit der Eröffnung vor vier Jahren ist die Bar 25 stetig gewachsen: Mittlerweile umfasst sie auch ein Kino, ein Restaurant, eine Sauna und ein Hostel.

Der anstehende Verkauf ist allerdings nicht der einzige Grund für das vorzeitige Aus für die Zwischennutzer: Zusätzlich zur Kündigung rutscht ihnen auch noch der Boden unter den Füßen weg, buchstäblich. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat an der Holzmarktstraße auf einer Länge von 200 Metern „größere Ausbrüche“ an der Kaimauer festgestellt. „Wir haben den Schaden dokumentiert und dem Eigentümer gemeldet“, sagt Amtsleiter Hartmut Brockelmann. Teile der Uferbefestigung seien einsturzgefährdet, deshalb wurden Warnschilder aufgestellt. Schiffe müssen auf diesem Abschnitt zehn Meter Abstand zum Ufer halten. Die Bauschäden sind offenbar auch ein Grund dafür, dass den Mietern von der BSR-Tochtergesellschaft nun gekündigt wurde. „Wir haben mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt eine abschnittsweise Sanierung vereinbaren können“, sagt Sabine Thümler. Nur dadurch dürften die Nutzer noch bis zum Sommerende bleiben. „Das, was wir tun konnten, um ihnen das Geschäft für diese Saison zu ermöglichen, haben wir getan.“ Der Betreiber der Bar 25 sieht das anders. Er hat sich von Sachverständigen ein Konzept für eine „softe Sanierung“ erarbeiten lassen, das wurde aber vom Grundstückseigentümer abgelehnt, denn „wir stehen immer in der Haftung“, so Thümler.

Trotz allem fühlt sich Christoph Klenzendorf von der Bar 25 nicht ernst genommen. „Für uns stellt sich die Frage, wie man mit Subkultur umgeht.“ Seiner Meinung nach wird immer mehr Freiraum vernichtet, auf dem sich „Kreativwirtschaft“ ansiedeln kann. „In Berlin gibt es 1,4 Millionen Quadratmeter Büroflächenleerstand, da muss man sich schon fragen, ob man weitere Büros braucht.“ Wegen der ungewissen Perspektive werde er kaum noch in die Bar investieren. Stattdessen sucht er nebenbei schon nach Ausweichmöglichkeiten, sollte er nach diesem Sommer tatsächlich das Grundstück räumen müssen.

Eines steht für den Barbetreiber aber fest: Sollten auf dem Ufergelände tatsächlich weitere Hochhäuser entstehen, dürfte für Touristen eine Dampferfahrt über die Spree bald ziemlich langweilig werden.

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