Tag der offenen Tür : Regierungserklärung im Minutentakt

Tag der offenen Tür: Kanzleramt und Bundesministerien luden ein - und tausende Besucher kamen. Auch heute stehen die Türen etlicher Regierungsgebäude offen. Und Angela Merkel lässt sich ebenfalls blicken.

Rita Nikolow
Kanzleramt
Zwischen Schröder und Kohl. Im Kanzleramt können Besucher auch die Galerie der deutschen Regierungschefs besichtigen. -Foto: Uwe Steinert

Mit einer gelben Krawatte und farblich passenden Arbeitshandschuhen beginnt Horst Seehofer (CSU) an diesem Sonnabend den „Tag der offenen Tür“ – allerdings unter freiem Himmel, vorm Brandenburger Tor. Weil die Vereinten Nationen das Jahr der Kartoffel ausgerufen haben. Der Bundesverbraucherminister harkt im Beet herum, das auf dem Platz des 18. März herumsteht, und holt ein paar große Knollen der Sorte „Berber“ aus der Erde – und der Spruch von den dümmsten Bauern und den dicksten Kartoffeln lässt nicht lange auf sich warten. Obwohl auch Seehofer selbst ein wenig mehr auf die Waage bringt als früher, das findet zumindest eine Besucherin, die ihrer Freundin zuraunt: „Der hat ja ganz schön zugelegt“.

Im Bundeskanzleramt, den Ministerien und dem Bundespresseamt gibt es an diesem „Wochenende der offenen Tür“ andere Außen- und Innenansichten. Im Verteidigungsministerium in Tiergarten zum Beispiel in den Bauch des „Wiesels II“, eines gepanzerten Fahrzeugs für Krankentransporte. Die 21-jährige Doreen Kulla will aber lieber vorne sitzen und klettert deshalb von der Schnauze des Fahrzeugs in eine kreisrunde Öffnung, unter der sich der Fahrersitz verbirgt. Die Laborangestellte strahlt. „Ich arbeite im Bundeswehrkrankenhaus und will mir heute hier mal alles aus der Nähe anschauen“, sagt sie und will gar nicht wieder aussteigen.

Ein paar Zelte weiter probt die Kochnationalmannschaft der Bundeswehr den Ernstfall: Einen internationalen Kochwettbewerb, der im Oktober in Erfurt stattfindet. „2004 habe wir gewonnen“, sagt Soldat Tobias Fleckner. Vor ihm stehen ein aus Margarine modellierter Schwan und ein Blumenbukett aus Lebensmitteln, das Unkundige eher auf dem Traumschiff vermuten würden als in einer Kaserne.

Vorm Kanzleramt müssen die Besucher eine Zeit in der Warteschlange verbringen, bis zum Abend kommen etwa 20 000 Besucher – und leider ist auch der rote Teppich vorm Gebäude um die Mittagszeit bereits etwas verschmutzer als bei offiziellen Staatsbesuchen. Was aber daran liegen mag, dass die Delegationen normalerweise etwas kleiner sind – während die Veranstalter an diesem Wochenende mit 190 000 Besuchern rechnen.

Im Erdgeschoss des Kanzleramts gibt es in Schaukästen Geschenke zu sehen, die Kanzlerin Angela Merkel von anderen Staats- und Regierungschefs bekommen hat, vom amerikanischen Präsidenten zum Beispiel eine Sammlung mit CDs und DVDs amerikanischer Musicals, darunter „My Fair Lady“ und „ Phantom der Oper“. Sie alle sind noch eingeschweißt.

Sehr kurz ist die Wartezeit hingegen vorm Auswärtigen Amt in Mitte – obwohl es drinnen eine fünfzehnminütige Gratis-Ausbildung zum Diplomaten gibt. Mit anschließender Zeugnisvergabe in den Fächern Staatsangehörigkeitsrecht, Protokollarisches und in Fremdsprachen wie Kisuaheli, Birmanisch und Hebräisch. Der achtjährige Georges und sein Bruder haben gerade die Lektion „Visumerteilung“ hinter sich gebracht und holen sich am Eingang ihre Zertifikate ab. Der Physikstudent Thomas dagegen bleibt noch ein bisschen, und setzt sich in den Albanisch-Kurs. Vielleicht, um nächstes Jahr die Aufnahmeprüfung für die Diplomatenausbildung zu bestehen.


SONNTAGS-PROGRAMM
Heute kommt die Kanzlerin

Für Kanzlerfans. Angela Merkel ist heute von 14 bis 16 Uhr beim Rundgang durch ihr Amt dabei.

Für Vizekanzlerfans: Außenminister Frank-Walter Steinmeier kommt um 16.30 Uhr ins Auswärtige Amt.

Für junge Schreiber: Für neugierige Nachwuchsjournalisten veranstaltet das Bundespresseamt um 12 und 16.30 Uhr eine Kinderpressekonferenz.

Für die Planung: Das Entwicklungshilfeministerium war gestern nicht beim „Tag der offenen Tür“ dabei, heute öffnet es aber wie alle anderen Ministerien, das Kanzler- und Bundespresseamt von 11 bis 19 Uhr die Türen.

Für die Sicherheit: Wer in die Ministerien will, muss einen Personalausweis oder Pass dabei haben. Mit Taschenkontrollen ist zu rechnen. Alle Stationen verbindet ein Bus-Shuttle, der aus einer Nord- und einer Süd-Route besteht. Das ganze Programm unter: www.einladung-zum-staatsbesuch.de   rni

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