Tiere : Wilde Leidenschaft

Von Kriegskind Knautschke bis Kassenknüller Knut - wer sind die Lieblingstiere der Berliner? Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz verrät’s in einem Buch.

Heidemarie Mazuhn
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Blaszkiewitz

Im Flusspferdhaus des Zoos taucht Nilpferd Kathi immer wieder mal prustend aus dem Wasser auf. Auch die Enten verlassen ihre Insel und paddeln neugierig an die 14 Meter lange Glasscheibe heran, vor der der Herr der Tierwelt in Zoo und Tierpark gestern „Knautschke, Knut & Co“ vorstellte. So hat Bernhard Blaszkiewitz sein neues Buch genannt, in dem er nach „Elefanten in Berlin“ diesmal die sogenannten Lieblingstiere der Berliner vorstellt. Für viele Besucher in Zoo und Tierpark, so der Autor, sind sie zum Begleiter ihres persönlichen Lebens geworden.

Ganz oben in der tierischen Prominentenskala steht da der legendäre Knautschke, dessen bronzene Nachbildung vor dem Flusspferdhaus ein beliebtes Kletter- und Foto-Objekt für Groß und Klein ist. Sozusagen ein Kriegskind war der 1943 im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs geborene Flusspferdbulle, der bei Wiedereröffnung des Zoos 1945 zur ersten großen Publikumsattraktion wurde.

Für Furore sorgte die „Interzonenhochzeit“ von Knautschke: Aus dem Leipziger Zoo durfte dazu damals das Flusspferd Grete über alle Zonengrenzen hinweg gleich zwei Mal nach Berlin in den Zoo reisen. Mit gewichtigen Folgen – Flusspferdbulle Schwabbel sorgte später in Leipzig für sächsischen Flusspferdnachwuchs, Flusspferdkuh Boulette blieb im Westen und trieb es erfolgreich mit Vater Knautschke. Der sorgte bis zu seinem Tod 1988 mit 45 Jahren insgesamt 32 Mal für Nachwuchs. Seine Tochter und Frau Boulette überlebte den Nilpferdveteranen – 2005 ging sie mit über 53 Jahren in den Tierhimmel ein.

Diese und andere tierische Geschichten hat der Autor kurzweilig auf 144 Seiten geschildert und damit gleichzeitig einen historischen Rückblick in die Berliner Geschichte gegeben. Wurde doch nicht nur Knautschke sozusagen zu einem Symbol für den Wiederaufbau der Stadt.

Nach Berlin durfte 1953 endlich auch Rike zurückkehren. Die 1938 hier geborene und 1943 im Bombenhagel verwaiste und selbst auch verletzte Giraffe war 1944 nach Wien evakuiert worden. Ein Foto im Buch zeigt die evakuierte Rike dort im Tiergarten Schönbrunn vor dem Frühstückspavillon des Kaisers. Der Gorilla Bobby kam 1928 an die Spree. Der berühmte Tierschriftsteller Paul Eipper persönlich brachte den 16 Kilo schweren Gorillajüngling in einem Personenabteil der Eisenbahn von Marseille nach Berlin.

„Das ist mein Lieblingsfoto“, sagt Bernhard Blaszkiewitz und zeigt im Buch das historische Foto der Reise von Bobby, der in Berlin zu einem fünf Zentner schweren Gorillariesen heranwuchs. Gestorben ist er 1935 aber nicht am Übergewicht, sondern schlicht an einer Blinddarmentzündung. Posthum wurde Bobby gleich zwei Mal der Nachwelt erhalten – als täuschend echte Dermoplastik im Naturkundemuseum und als Skulptur aus Granit im Zoo.

Selbstredend kommt das Buch nicht um unser aller Knut herum – den kleinen Eisbären, der weltweit zum Messias der Polarmeere wurde. „Er frisst, schläft, spielt“, gab gestern der Zoo-Direktor lakonisch Auskunft über den Superstar. Alles andere sei nach wie vor offen: „von mir aus kann er hier bleiben“, meint Blaszkiewitz. Der hat die Stadt heute erst mal verlassen – in Florida macht er Kurzurlaub von „Knautschke, Knut & Co“.

„Knautschke, Knut & Co“, Verlag Lehmanns Media, 144 Seiten, 24,95 Euro, Fotostrecke im Internet: www.tagesspiegel.de/berlin

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