Tom Sawyer : Rückkehr zum Mississippi

Von Dampfern und Flößen: Hermine Huntgeburth verfilmt "Tom Sawyer". Gestern wurden in Neuruppin am See Hafenszenen gedreht.

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Nie ohne meine Flasche. Der alte Muff Potter (Joachim Król) mit Tom Sawyer (Louis Hofmann) und Huckleberry Finn (Leon Seidel, re.). Foto: Kalaene/dpa
Nie ohne meine Flasche. Der alte Muff Potter (Joachim Król) mit Tom Sawyer (Louis Hofmann) und Huckleberry Finn (Leon Seidel,...Foto: dpa

Der Diebstahl eines Floßes ist schon aus moralischen Gründen abzulehnen und aus juristischen sowieso, manchmal aber ist er unvermeidlich. Man stelle sich vor, Tom Sawyer und Huckleberry Finn hätten auf dieses verwerfliche Eigentumsdelikt verzichtet – die Geschichte der Weltliteratur müsste umgeschrieben werden. Und die des Film ebenso.

Ja, es ist wieder so weit: Der berühmteste Roman von Mark Twain, „Die Abenteuer des Tom Sawyer“, wird verfilmt, mit Drehorten in Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Köln, Rumänien und derzeit eben in Brandenburg. In den Erdlöchern von Deetz, einem Ortsteil von Groß Kreutz, wurde schon gedreht, das sind mit Wasser vollgelaufene Gruben, aus denen man früher Lehm für Ziegel förderte. Gestern lud das Team um Regisseurin Hermine Huntgeburth an den Ruppiner See bei Neuruppin, wo Szenen im Hafen von St. Petersburg am Mississippi gedreht werden, mit einem Flussdampfer im Hindergrund – die Kulissenbauer haben ganze Arbeit geleistet.

Ein langer Arbeitstag für Louis Hofmann (Tom) und Leon Seidel (Huckleberry) wie auch besonders für Joachim Król, der den Muff Potter spielt, den ewig betrunkenen Sargschreiner der Stadt, dem Indianer Joe (Benno Fürmann) einen von ihm begangenen Mord unterschieben will. Mal gaukelte Tom dem alten Muff gestern vor, dass ihm ein Gespenst erscheine, so dass er schon zweifelte, noch unter den Lebenden zu weilen. Mal wurde er von Männern in einem Schuppen aufgestöbert, in dem er sich versteckt hatte.

Drehbuchautor Sascha Arango sei „nah an der literarischen Vorlage“ geblieben, „aber an einigen Stellen, wo uns die Geschichte zu gestrig erschien, hat er behutsame Veränderungen vorgenommen“, beschreibt Produzent Boris Schönfelder von der Neuen Schönhauser Filmproduktion die Linie. So sei eben Tante Polly „nicht mehr eine alte Dame, sondern eine unabhängige junge und schöne Frau, eine moralische Kämpferin, die ihre Prinzipien und einen guten Charakter hat“. Dargestellt wird sie von Heike Makatsch. Dabei sind weiter Peter Lohmeyer als Richter Thatcher und Magali Greif als Toms Schwarm Becky Thatcher.

Hermine Huntgeburth hat Erfahrung mit Literaturverfilmungen, drehte zuvor „Effi Briest“, der Film entstand ebenfalls in Brandenburg und Berlin. Der Roman von Mark Twain ist für sie „eine Geschichte, die nicht zu einer bestimmten Zeit in den USA angesiedelt ist, sondern zeitlos gültig und weltweit übergreifend ist“. Es gehe um „Spaß, Liebe, Freundschaft, Abenteuer, Freiheit, Mut, aber auch um Ängste; darum, dass man manchmal einfach abhauen will, um was Eigenes zu erleben; oder darum, wie man sich als Außenseiter fühlt.“

Der neue Film setzt eine Serie von Verfilmungen des Buches fort, die bereits früh begann. Schon 1917/18 wurde gedreht und 1930 spielte sogar Jackie Coogan die Titelrolle, der zuvor Charlie Chaplins „The Kid“ war. Und von den beiden TV-Verfilmungen 1968 und 1979 schwärmen viele noch heute.

Wer nicht warten will: Die Laienspielgruppe „Wilder Mohn“ zeigt am Sonnabend, 18 Uhr, und Sonntag, 16 Uhr, das szenische Spiel „Mark Twain 100 – und der Tom ist auch dabei“, im Schmargendorfer Jugendfreizeitheim Plöner Str. 4-18.

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