Unfall : Großes gelbes Cabrio

Ein BVG-Doppeldecker blieb auf einer Betriebsfahrt in Berlin an einer Brücke hängen. Bereits mehr als ein Dutzend Busse verloren so ihr Oberdeck.

Klaus Kurpjuweit
BVG-Cabrio
"Dumm gelaufen", im Linienverkehr jedoch nahezu ausgeschlossen, so BVG-Sprecherin Petra Reetz. -Foto: Thomas Schroeder

Berlin Der Knall war gewaltig und weckte Anwohner auf. Am erschrockensten war aber wohl der Verursacher des Lärms – ein 46-jähriger Busfahrer der BVG. Er war Donnerstag früh gegen 0.45 Uhr mit seinem Doppeldeckerbus an einer der drei Eisenbahnbrücken über der Klemkestraße in Reinickendorf hängen geblieben. Die Brücke war mit einer Höhe von 3,70 Meter zu niedrig für den Doppeldecker, der 4,06 Meter hoch ist. Vom Oberdeck blieb nicht viel übrig. Verletzt wurde aber niemand; der Bus befand sich auf einer Betriebsfahrt. Auch Passanten, die durch herumfliegende Bleche oder Glasscherben hätten verletzt werden können, waren kurz nach Mitternacht nicht unterwegs. Der Schaden am Bus ist aber erheblich. Die Brücke blieb unversehrt.

„Dumm gelaufen“, gibt auch BVG-Sprecherin Petra Reetz zu. Und schiebt gleich eine Entwarnung hinterher: „Im Linienverkehr ist ein solcher Unfall nahezu ausgeschlossen.“ Dort sind die Routen fest vorgeschrieben; zu niedrige Brücken werden gemieden. Aber auch das hilft nicht immer. Im Juli 2002 hatte ein Fahrer im Liniendienst eine Brücke an der Niemetzstraße in Neukölln erwischt. Eine Frau im Oberdeck erlitt eine Platzwunde, ein Kind Riss- und Schnittwunden durch Glassplitter. Der Fahrer hatte die Routen von zwei Linien verwechselt. Statt geradeaus zu fahren, war er abgebogen.

Und auch der Unfall auf der Klemkestraße hätte laut Vorschrift nicht passieren dürfen; auch für die Betriebsfahrten beim Doppeldecker seien die Routen vorgegeben, sagte Reetz.

Der Fahrer habe sich aber für eine andere Strecke entschieden. Er sollte den Doppeldecker zum Betriebshof an der Müllerstraße in Wedding bringen. Vor dem Wechsel ans Steuer des Doppeldeckers habe er einen Gelenkbus gefahren, der problemlos unter den Bahnbrücken hindurchgepasst hätte, sagte Reetz.

Auch bei ähnlichen Unfällen in der Vergangenheit waren Fahrer der Wechsel vom Ein- zum Doppeldecker zum Verhängnis geworden. Und wie jetzt waren sie dabei meist zu Betriebsfahrten eingeteilt. „Wer regelmäßig Doppeldecker fährt, hat ein ganz anderes Gefühl für die Höhen der Brücken, als die Kollegen, die nur selten das hohe Fahrzeug steuern“, sagte ein Fahrer dem Tagesspiegel.

Doch alleine daran kann es nicht liegen. Auch die Fahrer von Lastwagen bleiben mehr oder weniger regelmäßig mit ihren Gefährt, das sie gut kennen sollten, hängen – an Decken von Tunneln und auch an Oberleitungen von Straßenbahnen. Je nach Ladung erhöht sich hier die Gefahr. So hatte zum Beispiel 1998 ein aufgeladener Bagger die Decke im Rathenautunnel der Stadtautobahn beschädigt.

Und auch an der Klemkestraße ist schon mindestens ein Lastwagen stecken geblieben. Allerdings verlor dort im November 2002 auch bereits ein Doppeldecker sein Oberdeck. Wie an 112 anderen Brücken in der Stadt hängt dort zwar ein Schild, das die Durchfahrt für Doppeldeckerbusse verbietet, beachtet scheint es aber nicht unbedingt zu werden.

Zu neu war dagegen vielleicht die Situation nach der Wende. 1992 war auf der Luisenstraße in Mitte ein Doppeldecker auf Betriebsfahrt gegen den Brückenbau der Charité, der zwei Gebäudekomplexe verbindet, geprallt. Entweder kannte ein Fahrer aus dem Osten die Höhe des Busses nicht, oder ein Kollege aus dem Westen sei der Brückenbau nicht bekannt gewesen, hieß es hinterher.

Doch diese Fahrer sind nicht allein. Mehr als ein Dutzend Mal haben Doppeldecker seit Anfang der 70er Jahre ihr Oberdeck an Brücken verloren. Ob es wieder aufgebaut wird, entscheidet sich von Fall zu Fall. Ein Bus kostet immerhin um die 400 000 Euro. Ersetzen müssen die Fahrer den Schaden nach Angaben von Petra Reetz nicht. Aber eine Abmahnung könnte fällig werden.

Bestraft ist ein Fahrer, der sein Oberdeck „abrasiert“, ohnehin. Den Spott der Kollegen wird er wohl jahrelang ertragen müssen.

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