Stadtleben : Waldbühnen-Nachspiel

Warum Unterhaltungsmulti Schwenkow jetzt vor Gericht um die Arena kämpfen will

Peter Schwenkow gibt sich nicht geschlagen. Wie berichtet, will der Senat seinen Pachtvertrag für die Waldbühne nicht verlängern und den Veranstaltungsort ab 1. Januar der Bremer CTS-Eventim übertragen. Das will der Veranstaltungsmulti nun aber mit gerichtlichen Schritten verhindern. Die Waldbühne sei Teil seines Lebenswerkes – „deshalb habe ich meine Ritterrüstung angezogen und ziehe los“, sagt Schwenkow.

Seine Rechtsanwälte werden sich anstrengen müssen, denn Innensenator Ehrhart Körting, dessen Verwaltung die Entscheidung getroffen hatte, will sich nicht beugen: „Wir werden die Waldbühne an die CTS vergeben“, sagte er gestern. Schwenkow stehe es frei, gegen das Ergebnis der Ausschreibung vorzugehen. Freiwillig, so der Senator, werde er aber nicht die Erklärung abgeben, die Schwenkows Rechtsanwälte von ihm verlangt hatten – dass Berlin die Ausschreibung wiederholt.

Die Fronten sind also verhärtet. Bis Ende nächster Woche hat Schwenkow laut Körting Zeit, vor Gericht eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Dann könnte der Pachtvertrag nicht unterzeichnet werden.

Körting zufolge war der Bremer Bewerber dem langjährigen Betreiber der Waldbühne deshalb vorgezogen worden, weil er das „attraktivste wirtschaftliche Angebot“ abgegeben habe. Mindestens 750 000 Euro oder zehn Prozent der Bruttoeinnahmen im Jahr hatte das Land verlangt. Schwenkow sagt, er habe diesen Mindestbetrag geboten. Die Bremer CTS soll tiefer in die Tasche gegriffen haben. Den genauen Betrag wollten aber weder die CTS noch Körting nennen.

„Wir freuen uns über den Zuschlag“, sagt Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandschef von CTS-Eventim. Man werde die Waldbühne für große Künstler zur ersten Wahl machen und diese „wieder allen Veranstaltungsformen und -genres öffnen“, für „Groß-Opern“ und „Weltmusikfestivals“ etwa. In diesem Jahr veranstalteten CTS-Firmen bereits Konzerte von R.E.M., Herbert Grönemeyer und Celine Dion in der Waldbühne. „Rock am Ring“ sowie eine enge Bande mit dem weltgrößten Veranstalter „Live Nation“ zählen zu den Referenzen von CTS.

Schwenkow stellt dennoch die „Expertise“ von CTS, dessen Kerngeschäft der Ticketverkauf ist, infrage. Außerdem macht er Kosten für seine Investitionen in die Waldbühne geltend: 120 000 Euro für Stahlgerüste.

Wirtschaftlich ist der Verlust der Waldbühne für die Deutsche Entertainment AG, die Schwenkow führt, ohne Gewicht: „Das wird in der Bilanz keine Spur hinterlassen“, sagt er. Es scheint etwas Persönliches zu sein: Seit 27 Jahren ist Schwenkow Pächter der Waldbühne. Er baute die Arena in den 80er Jahren wieder auf, nachdem sie im Jahr 1965 nach einem Konzert der Rolling Stones zerlegt worden war. Schwenkow fühlt sich auch als Unternehmer mit Sitz in Berlin brüskiert: „Aber darüber wird wegen ein paar Euro mit Leichtigkeit hinweggegangen“, sagt er. Auch sein Mitbewerber, die Anschutz Entertainment Group, Betreiber der O2-Arena, sei verstört.

Sollte es zu der langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzung kommen, müsste das Land die Waldbühne betreiben. Die angestrebte externe Lösung wäre vorerst gescheitert. ball

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