Wiederaufbau : Kissinger wirbt fürs Schloss

Der US-Politiker Heinz Alfred Kissinger bittet seine reichen Landsleute um Spenden für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Reiche Amerikaner unterstützen ihn dabei. Kissinger hat bereits eine genaue Vorstellung davon, wer der erste Gast im Schloss sein soll.

Christoph von Marschall[Washington]
Kissinger und Genscher in Berlin
Henry Kissinger (li.) und Hans-Dietrich Genscher bei einem Besuch in Berlin im Jahr 2006. .-foto: ddp

Mittlerweile ist er 84. Und noch immer steht seine Person für die Beschäftigung mit verwickelten geostrategischen Konflikten – samt ihrer Lösung durch Shuttle-Diplomatie. Als Außenminister und Sicherheitsberater unter US-Präsident Richard Nixon trieb der 1923 in Fürth geborene Jude Heinz Alfred Kissinger die Entspannungspolitik mit China und der UdSSR voran, 1973 erhielt er den Friedensnobelpreis für die Vermittlung des Friedensabkommens für Vietnam.

Auch sein Werben um Spenden für den Aufbau des Berliner Stadtschlosses in Washington beginnt er mit belustigten Anmerkungen an die amerikanischen Gäste, was für eine außerordentliche Situation sie da erleben: Ein bayerischer Franke als Makler für ein Projekt im ehemaligen Preußen, obwohl „mein Vater niemals die Maingrenze nach Norden überschritten hätte“. Berlin, darf man verstehen, galt in Fürth als feindliches Ausland. „Man fuhr nach Karlsbad, München oder Wien.“

Eine Story, wie sie die Amerikaner lieben

Die Gäste in der Residenz des deutschen Botschafters Klaus Scharioth blicken bewundernd an die Stirnseite der Eingangshalle, auf die Simulation der Fassade, die 1993 als gemalte Attrappe den Schlossplatz schmückte. Zur gleichen Zeit, 1992 bis 1994, entstand diese Residenz nach Plänen des zeitweise in Berlin tätigen Architekten und TU-Professors Oswald Mathias Ungers. Man könnte meinen, er habe das Tonnengewölbe über der Halle eigens entworfen, damit auch noch die Kuppel des Stadtschlosses in der Fotoprojektion hier Platz findet.

Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Stadtschloss, erzählt die Geschichte der Aufbaupläne. Es ist eine Story, wie sie Amerikaner lieben: von privater Initiative und Bürgerengagement. Kultur soll die neuen Räume füllen. Ein Ort des internationalen Austauschs mitten im neuen, weltoffenen Berlin. Dafür öffnen betuchte US- Bürger gerne ihre Portemonnaies, auch wenn sie keine deutschen Wurzeln haben wie Kissinger. Richard Baron Cohen, zum Beispiel. Er wurde mit Abfüllpatenten für Coca Cola zum Millionär, ist heute ein berühmter Porzellansammler und hat kürzlich seine Stücke in Charlottenburg ausgestellt. Er verspricht Boddien, bald ein Fundraising mit reichen New Yorkern zu organisieren.

Wer soll der erste Gast im Schloss sein?

2010 sollen die Bauarbeiten beginnen, sagt Boddien. Und der 3. Oktober 2015, 25 Jahre deutsche Einheit, wäre doch ein ideales Datum, um das wiedererstandene Schloss zu eröffnen.

Henry Kissinger steuert in einer humorvollen Rede als „Ab-Schloss-Punkt“noch rasch ein paar Tipps für Spendensammler bei: Sie sollten „den Leuten einfach so lange auf die Nerven gehen, bis die lieber nachgeben und zahlen, schon um sich der weiteren Diskussion zu entziehen“. Er jedenfalls finde, das Projekt habe alle Unterstützung aus den USA verdient. Die Begeisterung der Schlossbefürworter habe ihn überzeugt, als er Anfang der 90er Jahre nach Berlin kam und – ausgerechnet – mit dem ehemaligen russischen Botschafter Valentin Falin Boddien in die Arme lief. Was Amerika und Russland gemeinsam befürworten, könne doch nicht falsch sein.

Und wer wird der erste hochrangige US-Gast im Schloss sein? Da schmunzelt der Republikaner Kissinger kurz und sagt: „Präsident John McCain, in seiner zweiten Amtszeit.“

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