STADTMENSCHEN : Höllische Hundstage

Bei den Filmfestspielen von Locarno war „Das letzte Schweigen“ bereits Freitag auf der schönen Piazza Grande zu sehen, bei uns startet er am Donnerstag in den Kinos. Vorher kommt Regisseur Baran bo Odar aber Montagabend noch ins Kino International in der Karl-Marx-Allee, um in Begleitung eines Allstar-Ensembles sein düsteres Krimidrama nach dem Roman „Das Schweigen“ von Jan Costin Wagner vorzustellen. Der ließ seine Geschichte um das Verschwinden eines 13-jährigen Mädchens, das die Erinnerung an ein früheres ungesühntes Verbrechen wachruft, in der kalten finnischen Provinz spielen. Baran bo Odar verlegt die Story in einen schwül-heißen deutschen Juli, wo zwischen den gepflegten Vorgärten schmucker Einfamilienhäuser nach und nach sichtbar werdende Abgründe gähnen.

Auf deutsche Schauspieler abonnierte Autogrammjäger bekommen jedenfalls heute Abend allerlei zu tun, denn in „Das letzte Schweigen“ spielt eine ordentliche Blase Leute mit, die im deutschen Film Rang und Namen hat: Ulrich Thomsen, Wotan Wilke Möhring, Katrin Sass, Burghart Klaußner, Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn und Jule Böwe. Besonders die großartige Katrin Sass als trauernde Mutter und der einen pensionierten Polizisten spielende Burghart Klaußner bestechen im Film durch ihre Präsenz. Und der oft als derber Spaßvogel eingesetzte Wotan Wilke Möhring überrascht als schuldgeplagter Mittäter durch seine nuancierte Darstellung. Wer einen Blick auf die Filmschaffenden erhaschen will, muss um halb acht vorm Kino stehen. Rein darf nur das Premierenpublikum. gba

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