STADTMENSCHEN : Späte Heimkehr

Foto: ddp

Über 3000 Gemälde sind in den beiden Katalogen mit Kriegsverlusten aufgeführt, die die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten herausgegeben und über eine Datenbank auch im Internet publiziert hat. Seit Erscheinen des ersten Bandes 2004 konnten 25 Gemälde zurückgeführt werden, davon 18 aus Privatbesitz, fünf aus dem Kunsthandel, zwei aus anderen Institutionen. Der neueste Fund kehrte am Montag zurück: die „Geißelung Christi“, ein 50 mal 50 Zentimeter großes Ölgemälde auf Holz, etwa um 1480 vom „Meister der Aachener Schranktüren“ geschaffen und 1945 von einem britischen Soldaten aus dem Jagdschloss Grunewald entwendet. Das Kunstwerk war, wie berichtet, in den sechziger Jahren von Hermann B. Wells, damals Präsident der Indiana University in Bloomington, erworben und 1985 dem Kunstmuseum der Universität geschenkt worden. Erst durch die Publikation der Berliner Liste hatte man dort vom dem rechtmäßigen Besitzer Kenntnis erhalten. Zur Übergabe der Bildtafel an Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung, war eigens eine Delegation der Universität angereist, darunter Präsident Michael A. McRobbie und die Direktorin des Museums, Adelheid M. Gealt. Auch US-Botschafter Philip D. Murphy war bei der Zeremonie im Schloss Charlottenburg zugegen. Die „Geißelung Christi“ war 1821 von Friedrich Wilhelm III. als Teil der Sammlung des in Berlin lebenden britischen Kaufmanns Edward Solly erworben worden. Seit 1932 hing das Bild im Jagdschloss Grunewald, dorthin kehrt es zurück. Innerhalb der dort ausgestellten altdeutschen Malerei ist es nun das zweitälteste und – neben den Werken der Cranachs – auch eines der bedeutendsten Werke. ac

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