Stadtplanung in Berlin : Tegel bekommt ein neues Zentrum

Die Gorkistraße, Berlins älteste Fußgängerzone, wird für 150 Millionen Euro umgebaut. Jetzt stellte der Investor seine Pläne vor.

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Moderner Anblick: Völlig neu mit Naturstein- und Glasfronten soll sich die Gorkistraße nach Entwürfen der Architekten Max Dudler und Ortner & Ortner ab Herbst 2018 präsentieren.
Moderner Anblick: Völlig neu mit Naturstein- und Glasfronten soll sich die Gorkistraße nach Entwürfen der Architekten Max Dudler...Foto: Promo

Neben der Debatte über die Zukunft des Flughafens Tegel beschäftigt kein Bauvorhaben die Menschen in Reinickendorf mehr als die Situation in der Tegeler Fußgängerzone an der Gorkistraße. Seit der Schließung des Kaufhauses Hertie ging es mit Attraktivität der ältesten Berliner Fußgängerzone konstant bergab, die imposanten Borsighallen im Süden der Berliner Straße zogen massiv Kundschaft an. Kein Wunder, dass die Baupläne des Investors Huth zur Umgestaltung des gesamten Areals mit einer Mischung aus Hoffnung und Skepsis beobachtet wurden.

Als jetzt Bezirksamt und Investor zu einer Präsentation des Vorhabens in die Humboldt-Bibliothek einluden, kamen mehr als 300 Menschen. Um es vorwegzunehmen: Die meisten verließen die Informationsveranstaltung nach anderthalb Stunden mit dem Gefühl, da könne etwas Vernünftiges entstehen.

Harald Huth, der auch die Mall of Berlin und das Schloss in Steglitz auf den Weg brachte, gab sich selbstbewusst: Hier gehe es nicht um ein Einkaufscenter, sondern um die Revitalisierung einer Fußgängerzone. Nicht zuletzt einer persönlichen Bekanntschaft mit den Karstadt-Eigentümern sei zuzuschreiben, dass der Kaufhauskonzern erstmals seit 30 Jahren wieder ein Warenhaus bauen wolle - eben in Tegel, mit einer Verkaufsfläche von 10.000 Quadratmetern, wobei Mode im Mittelpunkt des Warenangebots stehe. Huth deutete an, auch Peek und Cloppenburg in die Fußgängerzone holen zu wollen.

Eine neue Leichtigkeit soll künftig in der Fußgängerzone herrschen.
Eine neue Leichtigkeit soll künftig in der Fußgängerzone herrschen.Foto: Promo
Die nicht sehr attraktive 50er-Jahre-Bauweise verschwindet.
Die nicht sehr attraktive 50er-Jahre-Bauweise verschwindet.Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Bauphase wird eine harte Probe für Handel und Kunden

Eine Lebensmittelabteilung wird es bei Karstadt nicht geben, da setzen Investor, Bezirksamt und vor allem die Reinickendorfer Bevölkerung darauf, dass die Markthalle mit ihrem breiten Angebot erhalten bleibt. Sie wird provisorisch während der ersten, im nächsten Monat beginnenden Bauphase, auf die andere Seite der Gorkistraße ziehen. Ihren endgültigen Platz findet sie dann an der Grußdorfstraße. Von dort sollen auch die einzigen Zu- und Abfahrten in das neue Parkhaus erfolgen. Das wird mit 620 Stellplätzen 130 weniger als das alte Parkhaus haben, dafür aber angenehmer zu befahren sein.

Eine harte Probe für Handel und Kunden wird die intensive Bauphase zwischen Sommer 2017 und Sommer 2018 werden – in diesen zwölf Monaten entfallen alle bisherigen Parkplätze. Für die zahlreichen Radfahrer hat Bezirksbürgermeister Frank Balzer eine Perspektive: Er würde gern in der Nähe des S-Bahnhofs mehrstöckige Fahrrad-Parkhäuser entstehen sehen, wie er sie in Rotterdam gesehen hat, denn die Fußgängerzone dürfe nicht zur Fahrradparkstraße werden.

Mit Fertigstellung des 150-Millionen-Projekts ist im Herbst 2018 zu rechnen

Balzer, der die Diskussion ruhig leitete und mehr als 40 Fragesteller zu Worte kommen ließ, suchte durch seine Bemerkungen deutlich zu machen, dass der Investor nicht etwa machen könne, was er wolle, sondern dass die bisherigen Abstimmungen zwischen Bezirk und Investor einvernehmlich erfolgt seien und Harald Huth bemüht sei, alle planerischen Vorgaben korrekt zu erfüllen. Was die architektonische Gestaltung der Fußgängerzone angeht, kann er sich jedenfalls auf zwei international sehr renommierte Büros stützen: Er habe, so Harald Huth, Max Dudler und Ortner & Ortner als Architekten und Berater.

Auf kritische Nachfragen zu Berichten über unbezahlte Subunternehmen bei seinem Projekt Mall of Berlin deutete er an, dies habe mit dem dort beauftragten Generalunternehmer zu tun. Als Konsequenz aus dieser Erfahrung werde sein Unternehmen HGHI in Tegel alle Gewerke direkt vergeben und die Unternehmen auch direkt bezahlen.

Mit der Fertigstellung des bislang noch namenlosen 150-Millionen-Projekts ist im Herbst 2018 zu rechnen. Bis dahin wird die Gorkistraße für lange Zeit zur Baustraße werden. Auf den Abschluss des Bauvorhabens werden sich dann nicht nur Händler und Kunden freuen, sondern auch die Mieter neuer Wohnungen, die auf 4000 Quadratmetern geplant sind – keine Eigentumswohnungen, sondern vor allem für ältere Menschen konzipiert, versicherte Huth.

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