Stadtschloss : Ein Schloss zum Traumpreis

Der Kostenrahmen von Bundesbauminister Tiefensee von 480 Millionen Euro scheint angesichts der aktuellen Baupreisentwicklung wenig realistisch. Kaum ein staatliches Projekt in Berlin hat die geplanten Kosten je eingehalten.

Andrea Dernbach

480 Millionen Euro soll der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses kosten – darauf hat sich Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee festgelegt. Das sei die „feste Kostenobergrenze“, heißt es im Bericht seines Ministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags, der in dieser Woche bekannt wurde (der Tagesspiegel berichtete). Mehrkosten sollen bestenfalls durch steigende Preise für Material und Löhne möglich sein, die man jetzt noch nicht absehen könne.

Ob das reichen wird? Die jüngste Berliner Baugeschichte kennt genügend Beispiele für Bauten, die jeden Rahmen sprengten: Beispiel Tempodrom: 16 Millionen waren vorgesehen, am Ende wurde daraus der doppelte Betrag. Beispiel Hauptbahnhof: Der Glaspalast wurde nicht nur vier Jahre später fertig als vorgesehen, sondern auch deutlich teurer als 700 Millionen Euro. Er kostete schließlich eine Milliarde. Die „Topographie des Terrors“ hat nicht nur eine besonders lange Baugeschichte (die Dokumentation ist jetzt zwanzig Jahre alt), sondern auch eine besonders chaotische: Die Bausumme, ursprünglich waren 18 Millionen Euro veranschlagt, wuchs auf mehr als das Doppelte, 38 Millionen Euro. Und da für einen Entwurf schon 15 Millionen verbaut worden waren, gibt es für den neuesten, den dritten, nur noch 23 Millionen.

Doch es gibt auch Beispiele dafür, dass die Kostenbremse greifen kann. Petra Merkel (SPD), Berliner Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Haushaltsausschuss, sagt, sie halte die 480 Millionen des Parteifreunds Tiefensee für durchaus „realistisch“: „Wir arbeiten bei Bauvorhaben des Bundes schon seit einiger Zeit mit Deckelungen, was bedeutet: Alle Beteiligten, Planung, Organisation und Kontrolle, sind angehalten, den Kostenplan einzuhalten und alle Risiken dadurch abzufedern, dass sie Reserven bilden.“ Beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zum Beispiel habe man mit 180 Millionen geplant. Gekostet habe der Umbau 130 Millionen – inklusive Tiefgarage, die ursprünglich nicht im Finanzplan stand.

Andreas Kübler, Sprecher des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, nennt den Regierungsumzug als Beispiel für Kostendisziplin. Die eingeplante Summe für Neubauten und Altbausanierungen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro wurde nicht einmal ausgeschöpft: „16 Millionen Euro gingen an den Finanzminister zurück“, sagt Kübler. Bei einzelnen Projekten gab es zwar hohe Mehrkosten, etwa beim Bundestag oder dem Kanzleramt, das um etwa ein Drittel teurer wurde als geplant. Für viele andere Bauten meldet die Bundesbauverwaltung aber „punktgenaue Landung“ – und das nicht nur bei Regierungs-, sondern auch bei Kulturbauten wie dem Bodemuseum oder der Alten Nationalgalerie.

Möglich wurde das alles freilich, weil jener „Baupreisindex“, an dem sich auch Tiefensees Stadtschloss-Kalkulation orientiert, in den 90er Jahren wenig schwankte. Baumaterial und Löhne blieben, bauherrenfreundlich, auf gleichem Preisniveau. Seit 2000 steigt dieser Index leicht, seit diesem Jahr sogar deutlich. Insider halten deshalb die Vorwürfe an Tiefensee, er öffne unter Hinweis auf den Index ein Hintertürchen für die kommende Kostenexplosion, für ungerecht: „Auch wer sich seinen Keller streichen lässt, bekommt vom Maler einen zeitlich befristeten Kostenvoranschlag. Was dieselbe Arbeit zwei Jahre später kostet, lässt sich seriös nicht voraussagen, weil man die Preisentwicklung nicht kennt.“

Bleibt die Frage nach der historischen Schlossfassade, für deren Rekonstruktion das Bauministerium nach wie vor fest 80 Millionen Euro privater Spenden einplant. Und die sind noch längst nicht gesammelt. Haushälterin Merkel ist aber dagegen, stattdessen notfalls öffentliches Geld zu verbauen: „Es gibt auch die Möglichkeit, dass wir in der Kubatur des Schlosses bauen, aber die historische Fassade nur so weit rekonstruieren, wie die Spenden reichen. Weiterbauen und vollenden kann man sie, wenn genügend Geld zusammengekommen ist.“

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