Berlin : Stadtschlossdebatte: Teilweise alt teilweise modern

Christian van Lessen

In zehn Jahren könnten Teile des alten Schlosses aufgebaut sein, ergänzt von moderner, qualität- und stilvoller Architektur. Das Bauwerk, in dem beispielsweise Museen Platz hätten, sollte aber auch nach außen ausstrahlen, etwa durch Restaurants. So stellt sich Hannes Swoboda, der Vorsitzende der Internationalen Expertenkommission "Historische Mitte Berlins", die Zukunft des Schlossplatzes vor - "im Hinterkopf". Heute beginnt das Gremium mit seiner Arbeit.

Bis zum Jahresende will die Kommission von Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Städtebau, Denkmalpflege und Wirtschaft dem Bund und dem Land Berlin Vorschläge für die Gestaltung des Areals vorlegen. Der Österreicher Swoboda, stellvertretender Vorsitzender der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament und bis 1996 Wiener Stadtrat für Stadtplanung, hofft auf einen "Konsens, der die Politik überzeugt". Welche Schlüsse die beiden Grundstückseigentümer ziehen, ist allerdings so offen wie das Ergebnis der Kommissionsarbeit. Den Mitgliedern des Gremiums wurde anfangs nicht gerade übermäßige Begeisterung für einen Schlossaufbau nachgesagt, inzwischen ist die Stimmungslage für das Schloss etwas besser geworden.

Aam heutigen Freitagmorgen werden die von Bund und Land ausgesuchten Kommissionsmitglieder von Bundesverkehrs- und Bauminister Kurt Bodewig begrüßt. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Präsident des Abgeordnetenhauses, Reinhard Führer, werden dabei sein. Zur "Einführung in das Thema" halten im Bundeskanzleramt am Schlossplatz der Kulturbeauftragte des Bundes, Julian Nida-Rümelin und Kultursenator Christoph Stölzl Vorträge. Sie gehören der Kommission an, ebenso wie Bodewig, Führer, Thierse und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Salon "Luise" des Operncafés schließt sich unter Leitung von Senatsbaudirektor Hans Stimmann ein Rundgang vom "Forum Fridericanum" über den Schlossplatz zum Werderschen Markt an. Gegen 16 Uhr wird dann der erste asbestbereinigte Bauabschnitt des ehemaligen Palastes der Republik besichtigt, bevor man dann mit den Beratungen und "Regularien" beginnt. Dazu gehört die Frage, wie oft man sich treffen wird und ob es im April eine größere Anhörung geben wird.

Mitglieder der Schlossplatzkommission sind ferner der Unternehmensberater Roland Berger, Peter Conradi, Präsident der Bundesarchitektenkammer. Ferner der Historiker Laurenz Demps, der frühere Berliner Landeskonservator Helmut Engel von der Stiftung Denkmalschutz, der Archiktekturhistoriker Bruno Flierl und der Unternehmer Ernst Freiberger. Zur Kommission gehören unter anderem auch die frühere Senatsbaudirektorin Barbara Jakubeit, heute TU Darmstadt, der Architekt Josef Paul Kleihues, der frühere Berliner Jugendsenator Thomas Krüger, jetzt Bundeszentrale für politische Bildung, sowie Klaus Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen hatte bei der Vorstellung der Kommission im November betont, dass er die Frage der baulichen Gestaltung, der Nutzung und des öffentlichen Anteils an dem Projekt in erster Linie als Berliner Angelegenheit betrachtet. Die Mehrheit der Bevölkerung habe sich ohnehin längst entschieden. Der Vorschlag der Expertenkommission müsse nicht automatisch umgesetzt werden. Diepgen berief sich auf den Bundeskanzler, der auf dem Schlossplatz "lieber ein Schloss" hätte.

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