Berlin : Standort Tempelhof wird abgelehnt

Innenstaatssekretär Johann Hahlen sieht Defizite bei der Sicherheit und Nutzbarkeit des Gebäudes

Gerd Appenzeller

Das Bundesinnenministerium, BMI, hat sich gegen den Vorwurf verwahrt, es plane ohne zwingende Notwendigkeit einen Neubau in der Nähe des Kanzleramtes. Ein Umzug nach Tempelhof komme aus Sicherheits- und Kostenerwägungen nicht infrage, und ein neues Verkaufsangebot des Eigentümers der jetzt gemieteten Immobilie sei nicht günstiger als ein Neubau. Dies erklärte der beamtete Staatssekretär im Innenministerium, Johann Hahlen, gegenüber dem Tagesspiegel.

Hahlen begründete erstmals die Bedenken seines Hauses gegen den Standort Tempelhof. Das Innenministerium benötige nur einen kleineren Teil der dortigen Gesamtfläche. Alle Gebäude seien aber unterirdisch durch Verkehrs- und Versorgungswege so miteinander verbunden, dass eine Abtrennung einzelner Segmente, wenn überhaupt, nur unter erheblichem finanziellen Aufwand möglich sei. Einen Umbau der bisherigen Büroräume auf einen zeitgemäßen Standard hält Hahlen aus Gründen des Denkmalschutzes für schwierig. Ein Neubau von Büroräumen sei nach Ansicht von Bauingenieuren nur unter den großen Dachflächen der bisherigen Hangars denkbar. Das Ergebnis wären dann aber containerähnliche Arbeitsräume weitgehend ohne Tageslicht. Ein besonderes Sicherheitsproblem sei zudem der Radarturm, gegen dessen Strahlungen die Kommunikationssysteme des Ministeriums kaum geschützt werden könnten. Von der nahen Wohnbebauung aus seien zudem Anschläge auf sein Ministerium möglich.

Das neuerliche Kaufangebot des Besitzers der jetzt gemieteten Immobilie, Ernst Freiberger, sei nach sorgfältiger Prüfung nicht günstiger als das vorliegende, ein Jahr alte Angebot. So habe jetzt Freiberger den Aufwand für die zwingend notwendige, sicherheitstechnische Aufrüstung der Gebäude nicht mehr veranschlagt. Der anfallende, hohe zweistellige Millionenbetrag ginge also zu Lasten des Ministeriums, sagte Hahlen.

Diese Ansicht vertrat gegenüber dem Tagesspiegel auch der Abgeordnete Michael Luther, der für die CDU im Haushaltsausschuss sitzt. Eine erste überschlägige Berechnung zeige, dass ein Neubau billiger sein würde.

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