Berlin : Stark hoch drei

In Hellersdorf schließen sich drei Gesamtschulen zusammen – um ihre ungewöhnlichen und erfolgreichen Profile zu erhalten

Björn Rosen

Es ist eine deutschlandweit einzigartige Idee: Bis zum Jahr 2006 werden drei Hellersdorfer Gesamtschulen zu einer fusionieren. Statt auf einen Beschluss des Bezirks zu warten, der für zwei der Schulen die Schließung wegen Schülermangels bedeutet hätte, ergriffen Lehrer und Elternvertreter die Initiative – mit Erfolg. Im Juni 2003 beschloss das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf den Zusammenschluss von Rotterdam-, Remarque- und Jules-Verne-Oberschule. Mit der Fusion wollen die drei ihre erfolgreichen Profile erhalten, die sie seit der Wende entwickelt haben.

Das vielleicht außergewöhnlichste Konzept hat die Erasmus-von-Rotterdam-Schule. Im Jahr 1997 wurde dort das Unterrichtsfach „Zirkus“ eingeführt. Derzeit lernen in der Gesamtschule über 60 Schüler von Klasse sieben bis zehn, wie man Einrad fährt, Feuer spuckt oder als Clown auftritt – und bekommen dafür auch Zensuren. Das Konzept, das Ausgeglichenheit und Selbstbewusstsein der Schüler stärken soll, hat sich bewährt. Es wurde sogar mit einem Preis der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ausgezeichnet. „Schüler, die sonst kippeln und stören, jonglieren mit voller Konzentration“, sagt Sportlehrerin Ines Thara, die die Wahlpflichtkurse leitet.

Die Jules-Verne-Schule hat ihren Schwerpunkt in einem ganz anderen Bereich. Sie bietet ihren Schülern modernste Technik und erhielt als eine von zwölf Schulen deutschlandweit die Auszeichnung „führende Medienschule“. „Bei uns gibt es mehr als 200 Computer, die in fast allen Fächern genutzt werden“, sagt Informatik-Lehrer Martin Hannemann. Außerdem betont er: „Wir fühlen uns dem Freiheitsgedanken verpflichtet, wollen den Schülern so viel Verantwortung wie möglich übertragen.“

Die Erich-Maria-Remarque-Schule, dritte im Bunde, arbeitet seit Jahren in Projekten gegen Neonazismus, Rassismus und Intoleranz. „Soziales Lernen“ und die Betreuung der Schüler außerhalb des Unterrichts spielen eine wichtige Rolle. Eltern und Schüler werden bei Bedarf psychologisch beraten und unterstützt.

Noch sind die drei Schulen eigenständig, der entstehende Verbund wird in Arbeitsgruppen vorbereitet. Geplant ist eine Ganztagsschule, auf der möglichst auch das Abitur abgelegt werden kann. Fest steht, dass mit der Fusion ein Teil der Lehrer an andere Schulen wechseln muss.

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